Kanaken – Könige

Schon immer hatten wir Rebellen, seit je Pfeffer und Salz in den politisch verqueren Umtrieben ein paar mächtiger Typen, die mit ihrem Irrsinn die Geschichtsbücher füllen. Was der Herrenlaune in den Sinn kam war Gesetz und bildete die Lebensbedingungen der allermeisten Unterschichtler, die zu allererst dafür da waren das Geld zu beschaffen, wovon jener gut lebte. Aber wie mit dem Wasser, das nicht von unten nach oben fließt, ist es auch mit dem Geld und es bedurfte seit eh und je der Druck- und Schiebemittel, die das bewirkten. Er legte sich Krieger zu, ließ sie von denen bezahlen, gegen die er sie einsetzte. Manchmal, wenn er die Hosen nicht voll hatte, kämpfte er auch gegen äußere Feinde, um das geographische Territorium, das er für sich beanspruchte und als eine Art Staatsgebilde beherrschte, zusammen zu halten, die Konflikte nach außen und die zahlreichen im Inneren den Stoff lieferten, aus dem seine dichtenden Geschichtsschreiber sein ruhmreiches Leben und Wirken, das bei Lichte und aus der Entfernung späterer Jahrhunderte betrachtet nicht viel mehr als rundum misslungen war, erfanden. Und er war ein Genie und Gott persönlich hatte es ihm eingeredet, hielt sich für den Größten, der in seinem Reich vorkam, duldete keinen Widerspruch und sein blindwütiges Herrschen traf auf Widerstand bei den Leuten, die er sein Volk nannte, dessen eigener, missachteter Wille sich als Rebellion äußern musste um überhaupt vernommen zu werden.

Paranoia beschlich seine gestörte Seele 10mal am Tag, erwachte besonders in dunklen Nächten um ihm den Schlaf zu vergiften, wenn sich aus allen Winkeln und aus der Deckung hinter den Säulen die Pfeile der Geschütze unzähliger Rebellen auf ihn richteten, dazwischen die hämisch grinsenden Gesichter seiner Barone, die sich untereinander alle hassten, alle zusammen ihn, wie auch er nichts anbrennen ließ, sie als Haufen hasste genauso wie jeden für sich, die sein limbisches System, das ein hinterlistiges Spiel mit ihm trieb, imaginierte, dass er nie wusste, ob es ihn täuschte oder ob wahr war, was er sah. Der Wein umsäuselte ihm drei Stunden der Nacht, sobald er sich Schlafen gelegt hatte, aber dann erwachte die Leber um den Alkohol abzubauen und weckte auch ihn, denn sie möchte, dass der Kerl wach ist, für den sie arbeiten und sich die Nacht um die Ohren schlagen musste, ab dieser Zeit bis zum Morgen versammelten sich um ihn seine Gespenster, die echten und die falschen, die mit dem ersten Morgenlicht entflohen und er nochmal eine Mütze voll Schlaf fand. Manche Nacht waren die Gaukeleien, denen er aufsaß, so verrückt, dass er hochfuhr und seine Herrin, deren Herr er war, mit zwei Sklavinnen herbei rief, dass sie ihm den Hintern freilegen und auspeitschen mussten, wozu er vor Schmerz und Vergnügen quiekte, das ihm mehr noch die Muse Melanie bescherte, die ihn durchrubbelte bis er ein grunzendes Ah—- von sich gab und sonst was, dabei die Augen verdrehte und wieder zurück fand zu sich, wonach er dann schlief. Als er morgens zum Frühstücken in der Küche erschien, schaute er so als wäre nachts nichts gewesen, aber die Mägdlein hatten längst die Köpfe zusammen gesteckt und darüber getuschelt, was sie zuvor von Melanie und Messalina erfahren, kicherten noch in sich hinein als sie ihn sahen und Maid Marian, Robins Agentin, schwebte auf Merkurs Flügeln herein, mit souveräner Lieblichkeit servierte sie ihm den Met und seine Spiegeleier mit Speck, einen Kanten Brot.                   Seine Herrschaft war in geographische Sektionen unterteilt, die seinen Baronen samt den dort lebenden Untertanen als Lehen gegeben waren um die Kriegsdienste zu bezahlen, die sie bei Bedarf für ihn leisten mussten, wenn sie Lust dazu hatten.

Wenn aber diese Barone rebellierten, wurde es für ihn ernst, denn sie verfügten über Krieger als Druckmittel, doch jene kleinen Rebellen duldete er nicht und schlug sie in Acht, was diese bewog sich in die Wälder zu verziehen, wo sie eine Parallelgesellschaft bildeten um sich vor Verfolgung zu schützen und zu überleben. Das waren die Hoods, schneidige Burschen, wendig, schnell und geistesgegenwärtig, die scharf mit dem Langbogen schossen, in der Freiheitszone der Wälder, die gute Verstecke boten, ein besseres Leben führten als unter der Fuchtel, sich zu Gruppen verbanden und überall plötzlich auftauchen konnten, um eine Attacke gegen eine Gruppe klerikaler oder anderer Adliger zu führen, sie um das zu erleichtern, was sie Wertvolles mit sich führten, sie gründlich zu versohlen und wieder einzutauchen in die Wälder, die sie gut kannten, wo sie verschwanden wie sie kamen, die frühen Guerillas, lange vor Mao, der sich bis heute rühmt, sie erfunden zu haben.

Heute sind die Wälder abgeholzt, also kommen die Rebellen aus Thüringen. Siggi Baumert hat nicht gezahlt. Was! Sie hat nicht gezahlt?!  Ja was denn? Den Rfunk- und Fseh-Beitrag. Wieso sollte sie für Fernsehen zahlen, wenn sie es freiwillig keines Blickes würdigt, für Rundfunk, wenn sie ihm freiwillig kein Ohr leiht? So unfrei Fernsehen und Rundfunk sind, so frei ist des Menschen Entscheidung, beide weder zu sehen noch zu hören. So wäre Aufklärung neuerdings der Ausgang des Menschen aus verordneter Unmündigkeit.

Am Ball zu bleiben ist heute keine Kunst mehr, wenn sie Internet hat und dafür zahlt sie ja schon. Flatrate. Vielleicht oder nicht ist gerade dies das Problem, dass Internet dem Fernsehen das Wasser abgegraben hat, weshalb man „Hilfe“ schrie. Fernsehen, das machen noch alte Leute und eine Gruppe (Leute), die hier nicht genannt sein will. Was hat uns das Internet gebracht, wenn nicht gerade die Kostenlosigkeit, nichts zahlen müssen für Informationen, Filme, Beiträge, Nachrichten, Lexika, Wörterbücher ist hipper denn hopp. Kann es sein, dass jemand für eine Wurst bezahlen muss, die er nicht kauft, nein, das gibt es auf keiner Welt. Siggi ist frei in der Entscheidung darüber, ob sie Wurst isst oder nicht, wenn nicht, dann kauft sie nicht und das kostet nichts. Ich sehe keinen Unterschied zwischen Fernsehen und Wurst, denn viele sagen, Fernsehen ist uns Wurst.

Nun ist es so, dass Siggi für das Geld, das sie ausgibt, arbeiten muss, aber sie will für bestimmte Sachen nicht arbeiten, verzichtet darauf. Ihr Leben, ihre Zeit sind ihr die nicht wert. Es gehört zu den bescheidenen erbärmlich kleinen Freiheiten des deutschen Menschen, das selbst und frei von Vormündern zu entscheiden, meinst du. Selbst wenn du fast nichts zum Leben hast, denken manche, dass du sie davon noch miternähren müsstest, die Herren Moderatoren und Direktoren, den Hals nicht voll kriegen vom Geld deutscher Hungerleider, dass du vielleicht andere weißt, für die du nach deinem freien Willen von deinem Geld abgeben möchtest und damit aufhörst, wenn es dir nicht mehr gefällt, können die anscheinend nicht fassen.                    Plötzlich kommt da einer, hinter den sich ein mächtiger Apparat von Bevormundern stellt, der behauptet, dass es diese simpelste, einfachste, natürlichste Freiheit, politisch und gesellschaftlich so unschädlich wie unschädlich nur sein kann, nicht mehr gäbe-. Natürlich besteht diese Freiheit weiterhin und niemand muss darauf verzichten und ein Recht zu einer solchen Bevormundung gibt es nicht, sie fährt nieder aus heiterem Himmel, dem sich einige wohl näher dünken als wir, ist angemaßt, wider die Gesetze, wider die Natur, die Logik und wider alle Einsicht und wider uns konstruiert, warum sie von jedermann zurückgewiesen werden kann, werden muss, wenn er seinem verfassungsmäßigen Auftrag zur Verteidigung der Demokratie nachkommt.

Manche sagen, der Beitrag wäre eine Steuer, doch das ist er nicht, weil Steuer auf eine Bezugsgröße wie Einkommen reflektiert ist, für viele wäre das günstiger , da sie wegen ihres niedrigen Einkommens nichts zahlen müssten, selbst wenn sie fernsähen und rundrumfunkhörten, aber dem ist anders. (Was ist Standrecht: ursprüngliche Bezeichnung für kurze, eigentlich = im Stehen durchgeführte Gerichtsverfahren.) Jeder soll müssen ob er Einkommen hat oder nicht, ob er fernsieht oder nicht und die ganze Verdrehtheit der Sache offenbart sich darin, dass die Beweißlast nicht bei dem liegt, der sozusagen diese Vorverurteilung zur Zahlung ohne Anklage, unter Ausschaltung aller Einwände und Gegenbeweise durchführt, sondern bei jedem der standrechtlich Verurteilten selbst, der beweisen muss, dass dieser Standrechtsspruch unrechtens ist. Welche Chancen gibt es Standrechtsurteilen zu widersprechen, die von Natur aus terroristisch sind und Widerspruch mit dem gleichen Terror verwerfen, mit dem sie Unrecht sprechen. Nein, Standrecht ist es so wenig wie Steuer, doch scheint‘s der so ähnlich, dass viele es verärgert dafür halten. Ist es nicht Standrecht, was dann, ist‘s aus dem Dunstkreis, fallen mir noch Willkür ein und repressive Demokratie. C’est le grand terreur de la demokratie.

Vielleicht ist es ganz einfach: der Kapitalismus selbst, dem sie sich systemisch unterwarfen, hat sie, wie es ihm eigen, beiseite geschoben aufs Abstellgleis und sich mit denen verbündet, die ihm besser schmecken, weil sie seine Märkte im Gefolge nie gekannter Distanzlosigkeit erobern und lenken, unglaublich aufdringlich, schamlos indiskret dem hofierten Konsumenten, Opfer des Warenmülls, schier unter die Pelle rücken und ihn umschwirren wie die Fliegen das verwundete Wild. Sagst du dem Gugel, dass du dich für eine Überwachungskamera interessierst, bewerfen dich die Amazonen mit den Dingern, dass du keinen Frieden mehr findest, was du auch tust. Gehst du zu Hegel und hörst: Die Welt sei Geist, ahnst du, dass du auf dem falschen Planeten bist, weil die Amazonen dir die Erinnyen hinterher schicken, die den Bildschirmrand mit allen Überwachungskameras beblinken, die jemals erfunden wurden, wenn du nicht zupackst wirst du mit Unterwäsche beschmissen und den Schuhchen von Zalamanda und der Geist geht von ganz allein aus der Welt, empört ist er nicht, gelangweilt schon, die Welt ist Ware und verkauft sich für Geld, von wegen Geist, die Welt ist Werbung, beuge dich oder stirb.

Tja da steht der große Kegelmann und wirft seine Kugel in die Vollen, um alle abzuräumen, die es nicht bringen, -hinten rechts torkelt seit Langem die SPD. Aber der Kapitalismus, scheint es, unterhält keine Beziehungen in die Kreise seiner Schrittmacher, die ihm sogleich ins Handwerk pfuschen, wenn er sie nach seinen fundamentalistischen Regeln über die Klinge schickt, seien es Banken oder Fernsehen. In der Pose von Siegern treten sie als Bettler vors Volk, das ewig dumme, dass es mal diese rette, mal jene, gefragt wird es nicht, das ewig dumme, sie tragen Krawatte, damit man nicht merkt, welch Schlages sie sind beim schamigen Geschäft, bei dessen Verhandlung die Krawatte mehr wert ist als sie selber.

Gelassen ging heute die Gleichmut nach Hause.

Was für eine gigantische Verdrehung der Rechtskultur, die auf Zerschlagung der Demokratie aus ist. „Das ist doch unglaublich“, höre ich die Stimme des verständigen Volkes, das mit gleichviel analytischem Verstand wie kristallwasserreinem Gefühl für die Not der Nation begabt ist, wenn es nur endlich anfinge auf sich selbst zu hören.

Gleich neben jener Beweislast steht das Gefängnis. Für Siggi, die so frei war, sich ihrer Freiheit zu bedienen:  61 Tage physische Freiheitsberaubung waren der Preis dafür. „Das ist doch unglaublich“. Jetzt ist sie nur die eine, die aus der Reihe einen Schritt vorgetreten ist, eine Rebellin hinter der mehrere Millionen offen bekennende und noch mehr verdruckste und weggeduckte Rebellen stehen, die bei jedem kleinen kalten Hauch der Macht, der über die verwüsteten Felder der Demokratie hereinweht, schon umknicken als wäre es ein Sturm. Es wird ein munteres Treiben, wenn ganze Firmen von Gerichtvollziehern und Polizisten, immer zu Diensten, sie können ja nichts dafür, sie machen nur ihre Arbeit- und hier springt ihnen Kant bei, Erfinder und Prediger des aufgeklärten Gehorsams, der sagt, dass einer, der sich in jemandes Dienste begeben, an seinen Auftrag gebunden, gehorchen muss und eben in diesem privaten Geschäft von seiner Freiheit zu denken, noch mehr zu handeln keinen Gebrauch machen darf, sondern nur außer Dienst in einer Publikation die moralischen Fragen samt Zweifeln, die sich einstellen, öffentlich diskutieren darf, worauf wir gespannt warten, —-das war in Königsberg in Preußen, den 30. September 1784, als man durfte, was heute gefährlich ist, doch unter uns, damals wie heute wurde nicht räsoniert, sondern gespurt. Das brachte der demokratische Fortschritt.—-   abgeholt und in die Gefängnisse gesperrt werden, brauchen wir nicht Correctionslager zur Brechung des unerwünschten Volkswillens, fragt sich ein deutsches Gedächtnis. Der Wille wird zwischen den Parteispalieren verhandelt und dem Volke mit Tricks und Sprüchen verkauft.

Die Freiheit, die ihr längst habt, weil die Natur sie euch gab, bekommt ihr nicht geschenkt, ihr müsst sie erobern.

Institutionen, deren erste Natur es ist, sich auf die Seite der Bevormunder zu stellen, Kumpel der paar Kumpels zu sein, des Racket, das uns manipuliert, Auftritt der Kommandanten des verfälschten Lebens im falschen, sich den lieben langen Tag gerne damit beschäftigen, heraus zu finden, an welcher Ecke sie uns noch in die Tasche greifen können, um uns der paar Euro, die uns geblieben, legal hingedreht zu berauben, kein Problem mit den Heeren der Verarmten, Geplünderten, das Herz liegt auf situs inversus. Die Plünderung des kleinen Geldbeutels ist der große zeitgenössische Geck.                                                      Wir wollen ein unantastbares Limit an Eigentum und Besitz, jedem Zugriff entzogen, wo wir auf beiden und eigenen Beinen stehen können und unsere eigenen freien Herren sind, wo wir die Freiheit haben zu denken, was wir wollen, jetzt denken wir laut, dass die Verarmung der Unterschicht stoppen muss.

Die Institutionen aber, die Positionen weit weg vom gesunden allgemeinen Rechtsempfinden des Volkes beziehen, möchten wir doch schnellstens durch bessere ersetzt wissen, unser Respekt und Achtung wurden ihnen nicht mit dem Amt gegeben, sondern sie müssen sie sich verdienen.                                                                               Nun hat man Siggi dazu gebracht, sich selbst Anarchistin zu nennen; das ist sie mitnichten, sie hat die silberne Lanze der Athene verdient, Schutzherrin der Unterschicht und die goldene Streitaxt der Boudicca, der Oskar für den Kampf um Demokratie und Freiheit, schert euch nicht um Schufa, geht nicht für Sch… ins Gefängnis. Wenn die Atombombe ein Papiertiger ist, was wäre die Schufa außer Pfffffft.
Das Schema ist simpel, es braucht 2 Einrichtungen, Institutionen genannt, an deren Allerheiligkeit nicht gezweifelt werden darf: Banken und Schufa, an denen keiner vorbeikommt, so konstruiert, dass ihr Zusammenspiel jeden kaltstellen soll, der nicht kuscht, eine billige Falle, die wirkt, solange dran geglaubt wird. -Mit des Menschen Widerstand endete des Gottes Macht.- Hat sie erst Tritt im repressiven Gefüge, kann man die Falle in allen Fälle stellen, in denen wenige Unzumutbares gegen den Willen aller anderen durchsetzen wollen.

Im Lauf dieser Geschichten zwischen diesseits und jenseits, Fiktion, Wirklichkeit, Utopie, Spekulation, Wahrheit, Lüge, Parodie, Satire, Komödie, Tragödie, Terror, Gewalt, Verleumdung, Betrug, Habgier, Raub, Neid, Eifersucht, Liebe, Hass, Mord, Rufmord, Intrige und Horror begegnen wir noch haarsträubenden Dingen, die alle normal sind und zugleich so unglaublich als wären sie hinter der Grenze des Verstandes geschehen, in der Gegenwelt infizierter Lagunen, faulig grasgrüner Sümpfe, worin Irrsinn modrig keimt, wo Begriffe sich nicht mehr gegeneinander abgrenzen, sondern wie Brei einer den anderen bedeuten wie alles oder nichts, wo, wenn die Eltern nichts haben, von Falschspielern die Kinderarmut bejammert wird, als würden Kinder von Raben-Störchen ausgesetzt oder fielen mal so von Bäumen

Ich sehe kleinere und größere Horden von Zweibeinern, die vor urdenklichen Zeiten, als sie noch verschwindend wenige waren, friedfertig, zwar von Bestien, Unbill, Schicksalsschlägen und je nachdem, in welchen Erdzonen sie herum streiften von gewaltigen Gewittern, Sturzbächen von Regenfällen aus bleiernen Himmeln, Erdbeben, Steinschlägen mit sauriergroßen Felsbrocken, aus berstender Erdkruste hervor quellendem glühendem Gesteinsbrei, Sonnenbränden bedroht, aber selbst niemanden bedrohend, durch die wild schönen Landschaften des Planeten zogen, sich nicht Menschen nannten, obwohl sie es ob ihrer Friedfertigkeit eher verdienten als heutige, sich als Trockennasenprimaten mit spastischem Gang bezeichneten, da sie sich anstrengten ihren gekrümmten, buckligen Rücken gerade zu biegen um sich aufzurichten, das taten, was ihre evolutionären Vorgängerexemplare mit den vornüber gebeugten Körpern um sich beim Laufen mit langen Armen wie Beinen abzustützen, auch schon getan hatten, die sich noch weniger als besondere Wesen verstanden, da sie sich dem täglichen Drama des Überlebens so ausgeliefert sahen wie alle anderen vierfüßigen Tierwesen, denen sie sich ähnlich erkannten und deren einige sie mehr fürchteten als die Dämonen der Nacht, da sie ihn fraßen, war er nicht stets auf der Hut, während er selber noch nicht auf die Idee gekommen war, sich anders als von Früchten, Körnern, Kräutern, Blattwerk, Wurzeln, Samen, Pilzen und Termiten, Grillen, Käfern zu ernähren und sich des weichen, sonnebeschienenen Lebens in afrikanischen Savannen erfreute.

Irgendwann hatte man sich dafür entschieden auf zwei statt vier Beinen zu laufen und die erhobenen Vorderbeine mit Händen statt Füßen wie Werkzeuge zu benutzen. Zwar machten das auch andere Vierbeiner mit unterschiedlichem Geschick, wenn sie ihre Vorderläufe, sofern sie dafür ausgerüstet waren, zum Niederschlagen oder Festhalten einer Beute benutzten, die sie gerade fraßen. Doch am geschicktesten war dieses aufrecht laufende Wesen, bei dem sich Arme und Hände im Laufe der Jahrzehntausende immer besser für diese weitere Funktion entwickelten und zu solch geschickten direkten Werkzeugen wurden, dass sie das Gehirn dazu stimulierten, sich alle möglichen Dinge auszudenken, die man mit ihnen herstellen konnte, schließlich die Vorstellungskraft des Gehirns in Zusammenarbeit mit den Händen die Kultur erfand und beider stetiges Training der wahre Grund für das Wachstum des Gehirns und die Entstehung weiterer Zonen wurde, in denen ein dichtes Geflecht neuronaler Verbindungen differenzierte Reflexion und Selbstgespräche förderte, nicht das Fleischfressen, das er ja nun seit Jahrhunderttausenden betreibt, ohne dass sich nochmals Hirnwachstum gezeigt hätte, der beste Beweis dafür, dass es Selbstbetrug ist, zu behaupten, das Hirnwachstum wäre durch Fleischfressen verursacht. Schon der Neandertaler hatte mehr Grips als der Sapiens heute, dessen Gehirnwachstum vor sehr langer Zeit stehenblieb wie eine Uhr, die nicht aufgezogen wird, weil sich seit jener Zeit, als er anfing andere Lebewesen der Tier-, Trocken- und Feuchtnasenprimatengattung zu ermorden und zu fressen, seine soziale Intelligenz um kein Jota entwickelt hat und diese Heerscharen krankhafter, krausköpfiger Typen mit defekten Emotionen und stumpfen Herzen haben den Kapitalismus protegiert, das Aufsplitten aller Tätigkeiten in einzelne mechanische Handgriffe, die von morgens bis abends immer gleich ein Leben lag wiederholt, bis die Langeweile vom Schwachsinn eingeholt, sie sich schließlich Beruf nennen dürfen, wir aber unabänderlich bleiben wie wir fressen: Raubtiere oder verirrte Trockennasenprimaten, die besser zur Früchte- und Pflanzennahrung zurückkehrten um wie einst durch friedfertiges Teilen die Welt zu heilen. Immer noch hören wir die Lehre vom Urzeitkiller als Überlebens- und Zukunftsmodell, den Dinosauriertypen, den Ackermännchen, Falschspielern, Lügnern und Blöffern.

Man dachte sich weitere Werkzeuge und Hilfsmittel aus, die man plante und mit seinen Händen aus verfügbaren Materialien und ihren Kombinationen baute.                                     Eines Tages, der tausende Jahre dauerte, hatte man den Fisch und das Fleisch als Nahrung entdeckt, die mythische Kraft verlieh, lernte nach und nach das Fleisch zu trocknen und aufzubewahren, als man mit dem Feuer umzugehen wusste, es zu braten und bekömmlicher zu machen, das Schlimmste war der Anfang, als man Ekel und Widerwillen dagegen überwinden musste, in Körperteile rohen Fleisches am Knochen zu beißen, fürchterliche Krämpfe bekam, wenn man ein wenig davon, gegen allen Ekel sorgfältig durchgekaut, gefressen hatte und es fast nicht verdaut werden konnte mit dem vegetarisch eingestellten System. Hinterher noch die ekelig blutige Fresse.

Sie jagten nun immer öfter, erreichten mit ihrem aufrechten zweibeinigen Lauf zwar nie die Geschwindigkeit ihrer Beutetiere, doch als sie zusätzlich die Körperhaare verloren, sich durch Schwitzen abkühlten, konnten sie stundenlang rennen und dem Wild solange nachstellen bis es sich erschöpft und verzweifelt ihren Speeren darbot. Die Beute war sehr schnell, konnte ihre Geschwindigkeit aber nur kurz durchhalten und musste sich dann durch Hecheln abkühlen, für Sprints in großer Mittagshitze war sie nicht geschaffen, also kamen die Jäger wieder heran und das erschöpfte Tier musste wieder fliehen, während die Jäger ihm laufend auf den Fersen blieben, schwitzend ihren Körper in Form hielten, erreichten schon bald das Wild, das nicht mehr konnte und töteten es.

Ewige Zeit war er friedfertig durch Steppen und Savannen gezogen, ernährte sich von den(Produkten)Früchten der Natur, teilte mit seiner Horde alles, was es gab und dachte nicht ans Töten von Tieren und fremden Artgenossen, weil genug Platz war und die Erde fruchtbar. Er musste sich vor Tieren schützen, die andere Tiere fraßen und lernen sich gegen sie zu verteidigen, wofür er sich die ersten Hilfsmittel und Waffen ausdachte, dabei vielleicht auf die Idee kam, von der Verteidigung zum Angriff zu wechseln und gezielt Jagd auf Tiere zu machen, die ihm nicht gefährlich wurden. Das war der Wendepunkt seiner kontinuierlich fortschreitenden Entwicklung zum Menschen, als er die falsche Abzweigung nahm, die ihn zu einer normalen Bestie mutierte wie andere, die Tiere erlegten und fraßen. Angenommen, dass er tatsächlich Vegetarier war und die speziellen Verdauungsorgane besaß, musste er durch häufiges Fleischfressen zwangsläufig

BSE werden, hätte also tatsächlich die Straße des Wahnsinns genommen, auf der er wahnsinnig wie er ist, beharrlich wandelt, denn wenn alle es sind, fällt er nicht auf oder der Wahnsinn ist Norm. Es zucken die Schultern: da kann man nichts machen.

Mit der Jagd hatte er seine Persönlichkeit verändert und wurde Killer an der Gattung der Tiere und –sagen wir das mal- der Menschen, die mit ihm die Erde bevölkerten. Das Töten wurde seine tägliche Beschäftigung, mit der er sich Mut und Überlegenheit bewies, parallel entwickelten sich die nötigen Eigenschaften, wie emotionale Kälte, Herzlosigkeit und Stumpfheit gegen das Leiden der Opfer, das er aus seiner Wahrnehmung ausgrenzte, sogar den Genuss am Töten, das Vergnügen, den Spaß an der Angst und dem Leiden der Opfer entdeckte, pflegte er fortan diesen emotionalen Defekt, weil er ihm strategisch nützlich wurde. Täglich beging er seine Morde, rechtfertigte sie damit, sich ernähren zu müssen und log sich die Dinge so zu recht wie sie ihm passten, erfand die Mythen, mit denen er die erfolgreiche Jagd als heilige Handlung verklärte, die er zuvor in Ritualen bezauberte. Er mordete gewohnheitsmäßig mit Pläsier und Lust, was er erst richtig herauskehrte, als er die Jagd zu seiner Unterhaltung betrieb, sie Halali nannte, das Horn dazu blies und nicht mehr selbst hinter der Beute herrannte, sondern sich ein Pferd dafür kaufte, fraß er sich so voll, dass er aus den Nähten platzte, konnte er trotzdem noch jagen, wenn ihm andere zuvor aufs Pferd halfen, das nur stark genug sein musste sein Übergewicht zu tragen, selbst elegant, drahtig und edel rümpfte es die Nase über den Fettsack, der es bestieg, beleidigt, dass es so etwas tragen musste. Es hatte sich als Jagdpferd verpflichtet und ging täglich ins Sportstudio um sich fitt zu halten für seinen Job, auf speziellen Geräten trainierte es täglich vor allem den Hintern, der dick, rund wie geschwollen sein sollte, weil es ihn gegen Bezahlung in Hafer öfter fotografieren ließ und die Fotos auf Instagram publizierte, wo es gegen starke Konkurrenz von Karanda, Ratigaga und etlichen anderen bestehen musste. Es hatte schon soviel Hafer verdient, dass der zwei Scheunen füllte, und 4 Pferdeleben lang reichte, doch aufhören konnte es nicht, wollte noch mehr und noch mehr, besonders beflügelt, wenn sein Pferdearsch die Bewunderer scharf machte.

Zwischen Wild und Artgenossen unterschied er nicht sonderlich. Ein begabtes

2-beiniges Tier wurde genauso verfuttert wie ein weniger begabtes. Nachdem sie getötet und gefressen waren existierten sie für den Lauf der Welt nicht mehr. Was an Ihren Fähigkeiten verloren wurde, war ohne Belang; sie hatten, klug oder schön, den Wert einer guten Portion Futter.

Das ist bis heute so, seine Verwertbarkeit charakterisiert immer noch sein Dasein und ist der Maßstab seines Wertes -sagen wir innerhalb gängiger gesellschaftlicher Konstruktionen aus Herrenschaft und der von dieser zweckmäßig manipulierten Unterschicht unterschiedlicher Gradung, in der weder wirkliche Freiheit, noch Autonomie gestattet sind und Individualität nur in völlig abgeschliffener Form geduldet, darin bestünde, dass im Privaten ein belangloses Hobby, wie das Spielen mit der Modelleisenbahn im Keller ohne speziellen Antrag gestattet wäre, auch das Basteln an Old- und Young-timern, woran sich die Töchter beteiligen dürfen wie die Söhne, die Mutti, mehr nicht, ach ja noch der Urlaub im Drittwelt- oder Übermorgenland, den darf man ihm nicht nehmen, sonst macht er Revolution, da ihn im allgemeinen ein düsteres Korsett aus Vorschriften einschnürt, das auch noch die Peitsche schwingt, sobald er aus dem Keller heraustritt ans Tageslicht, die Kumpels ihn an langen Seilen lenken, die sie im Joch, das man ihm auf die Stirn genagelt hat, einhängen und ihn sachte immer nach rechts ziehen, in leichtem Bogen, damit er weder merkt, dass er im Kreis geht, noch dass er geführt wird. Es wäre Freiheit, hat man ihm gesagt, sie sei so und er glaubts. Frei ist wer sich für die Rente entscheiden darf oder dagegen, das hat jeder selbst in der Hand, schallendes Gelächter als Echo der Wände, die überall vor ihm sprießen, wohin er nur blickt, haha, du Ar…..l…hter und wählen, vielleicht hast nur die Wahl zwischen einem und keinem, wählst du eines, bist du geduldet, noch lang nicht willkommen, wählst du keines, wirst du über die Klippen gestürzt, dir selbst aber begegnest du auf den beschriebenen Kreisgängen nie und mit dem Gä…n..gelw..gen, der dei..ne…..Freiheit sein soll, verkaufst du den Schwindel, dem du aufsitzt.

Der Wert der Verwertbarkeit ist jener, dass er den ihm zugedachten, nicht den von ihm erdachten Nutzen innerhalb seiner Gesellschaften erfülle, zwar nicht mehr als Kalorienportion, sondern verwaltet, solange bis er von sich nichts mehr weiß, nichts und niemand mehr ist und außerdem nichts hat.

Selten konnte jemand je der Erniedrigung des Geldbeschaffenmüssens entkommen, von Beginn an nichts als ein von Vorschriften gepeitschter Sklave von fremd diktierter Bedingungen, abgerichtet, dem Götzen Kapitalismus hingebungsvoll den Altar zu vergolden,

………der We….b …………………… seiner völligen Unterwerfung unter das, was er glaubt, dass die Gesellschaft und ihre Warenproduktion ausmache und von ihm verlange, verliert, wie alle anderen auch, widerstandslos sich selbst bis von ihm wie den anderen nichts mehr übrig ist und fast keiner will es bemerken oder gar so sehen. Sie sind glücklich borniert zu sein wie alle, Hauptsache zu Hause in den gewohnten Spalieren,          …… inmitten der anderen, möglichst nicht von ihnen verschieden.

Wenigen ist es gegönnt, …………………….dem Tr….m..a   des wür..e….l..sen Dasein.. unter d…. Fuchtel d… z.. entkommen………………………………………………….

Cezanne sagte es so: Mein Vater, der Bankier, war das Genie, er hat mir eine Million vermacht und entschied sich für ein erfolgloses Leben, das er der Kunst widmete, kaum ausgebildet, weil ihm schon das verwehrt wurde, quälte er sich mit anscheinend dilettantisch unbeholfenen spröden Strichen, die sich auf dem Papier wie widerspenstig gebärdeten und den Formen, die nicht eindeutig werden wollten, Gewänder, Tücher, wie aus festem Material geschnitzt, die sich kubisch modellierten um als Bild zu bestehen, Gegenstände sich gegeneinander verschoben, in sich verdrehten oder sich anschickten zu fliegen, Obstschalen und Bücher als wollten sie sich von Tischen stürzen, dem Maler vor die Füße, nur die Schwerkraft der Komposition hielt sie auf der Leinwand und im Rahmen, wollten aus verschiedenen Blickwinkeln zugleich gesehen werden, von der Seite und Oben, boten in sich verschiedene Sichtweisen zwischen wechselnden Perspektiven an, bloß nicht eindeutig sein, ohne dass er dagegen etwas tun konnte, wehrlos gegen die Macht seiner Bilder, unterwarf er sich ihnen und gewann seine vage tastende Methode ständigen Experimentierens und Unsicherheit darüber, ob ein Bild gelinge oder nicht,   …—…   für diese herbe, harte Ästhetik, zeitlebens sperrig, hölzern doch unnachgiebig wahrhaftig, zwecklos das Produkt, ein Werk, ein Stück Kunst, niemals fertig, „aufgegeben im Scheitern auf hohem Niveau“ (Raimund Grike), zurück blieb die Spannung, aus welcher der Maler ein Neues begann, nicht Ware nicht Warhol, die sich verkaufen wollte oder es nur hätte denken können, kamen nach und nach einzelne, die durch Vermittlung von Freunden manchmal kauften, hier und da kauften die befreundeten Maler, nicht Manet, der hielt ihn für einen „Maurer“, Schindel, Schuppen, kubische Blöcke aus dem Geometriebuch, dann nach seiner Zeit sich als Lehrmeister der Nachfolgenden entpuppte, der Vater, dem in gewisser Weise zu danken ist, der Wegbreiter war für den Größeren, das eigentliche Genie, den missratenen Sohn des Bankiers und talentlosen Maler, der auch vom Geld nicht mehr verstanden hatte, als dass es ab einer größeren Menge gleich der Freiheit von eben diesem war.

Realisation war das Wort, das zu Cezannes Zeit in Mode war, sich seit Delacroix in die Köpfen der Maler eingenistet hatte und gleichwohl von den „theoretischen Künstlern“, die schrieben statt malten, verwendet, aber ein Ihriges darunter verstehend, das nicht mit dem stimmig war, was die jeweiligen Maler meinten, wenn sie es, ihre Arbeit beschreibend, verwendeten.    Wer keine Bilder malt, kann selten wirklich begreifen, was den Maler beschäftigt, der mit Worten beschreibt, was nicht beschrieben, sondern höchstens annähernd verständlich gemalt werden kann.  ——Réalisation seiner tiefen Empfindung beim Betrachten der vielfältigen Erscheinung der Natur und des Motivs, seine verwirrende Vielfalt des Lichtes, das es aussandte sobald sich der Maler vor dem Motiv nur geringfügig bewegte, erschien bildlich unerreichbar, sondern nur ein Herannahen in unendlich vielen Schritten, vielleicht eine asymptotische Jagd nach einem flüchtenden Ideal, das unbegreiflich blieb, ihm manchmal greifbar schien, sich entwand um in neuer Gestalt zu locken.

……....Einfügung_C..hier ist noch eine Passage einzufügen, die gelegentlich erscheint, ohne dass darauf hingewiesen wird. Der Text behält sich ferner vor, ständig kleinere oder größere  Teile von sich  zu ändern, einzufügen, zu streichen, einzele Worte auszutauschen, Sätze umzustellen, zu entfernen und mit sich genauso zu verfahren wie es ihm beliebt!

Réalisation ist die Suche nach dem Ausdruck der persönlichen Empfindung mit den Mitteln der Malerei, die selbst Thema werden, …… für das Motiv, die Auseinandersetzung mit dessen Natur und dessen eigener Natur in den Bildern.

So bleiben die Äußerungen der Kritiker und Zolas, die den Malern die Unfähigkeit der Réalisation vorwarfen, nicht platt, aber so ähnlich, weil sie nicht von dem sprachen, auch nicht verstanden, worum es den Malern ging. Zola, vom eigenen Erfolg gekauft, hatte sich auf die Seite des Konservatismus und großbürgerlicher Lebensweise begeben, fand treffsicher die Maler vorbildlich, die niemand mehr kennt: Bastian-Lepage und Gervex, die Schüler Cabanels. Die Kopernikanische Wende der Malerei, die mit den Impressionisten auf dem Weg war, verstand er nicht.

Man sah sich noch als Genie, wenn man etwas drauf hatte. Zola hielt sich dafür, Cezanne gab er auf, der zog sich zurück und machte weiter, oft verzweifelt, nicht nur an sich, ab 1886, Tod des Vaters, endeten seine finanziellen Sorgen.

Réalisation war für Zola die akademische Fähigkeit, ein Bild wie einen Gegenstand, Objekt zu entwerfen, und mit erlerntem Können auf der Leinwand fertig zu stellen.

Aber davon hatte Cezanne keine Ahnung, ihm fehlten Schwung, Bravour oder Können, nichts kam aus dem Handgelenk, (keine Eleganz stellte sich ein, sein Bild blieb ihm fremd, wie die Malerei selbst, der er sich zu nähern versuchte, alles ein Experiment, aber kein Beruf, keine Professionalität, doch eine ständige Spannung hielt ihn in Atem. Er war Autist, nichts fiel ihm leicht oder in den Schoß. Er war ein seltsamer Kerl, sagten die Freunde auf dem Rückzug.

Cézanne, wenn er arbeitete, hatte das ganze Bild vor sich, sah es aber nicht, setzte einen Tache, dann einen zweiten, mit dem es bereits plastisch da war, weitere folgten an vielen Stellen der Leinwand, dass aus allen Richtungen und auf der ganzen Fläche gleichzeitig das Motiv entstand, als müsse er es aus dem Bildgrund, in dem es sich verbarg, für das Licht seiner Augen gewinnen.

Badende(1874-75), ein seltsames, verrücktes Bild mit merkwürdigen Anspielungen: am Ufer vor dem Fluss eine Gruppe Badender, hinter dem linken Akt der Gruppe richtet sich ein Tuch auf als stelle es sich hin. Hinter dem Fluss am anderen Ufer entsteht aus einer hohen schmalen Zypresse, die ein langer Ast, ausgehend von einem Baum am diesseitigen Ufer, auf 2/3-tel Höhe horizontal durchquert, ein christliches Kreuz, eine diagonale weiße Wolke wie ein Licht hinter dem Kreuz erscheint, auf den Körpern der Badenden blaue und grüne Schatten, der Akt am rechten Rand, der sich ganz im Schatten aufhält, nimmt die Farbe des Schattens an, nur 2-3 Taches getrübtes Rosa erinnern an die Farbe von Haut. Anatomie interessiert ihn kaum, er baut die Körper wie ein Schuljunge, aus ein paar unterschiedlich großen Zylindern, Kugeln.

Montagne Sainte-Victoire, 1886-90, Das Blau der Berge hinten ist in die Schatten der Häusergiebel vorne eingezogen und lässt die ganze Landschaft in einem seltsamen unbekannten Licht erscheinen. Matisse sah bei Cezanne, dass der Schatten eine Farbe hat, merkte es sich, machte es in seinen frühen Bildern zum Thema.

Stillleben mit Putto, 1895, ein kubistischer verbauter Raum umstellt die weiße Figur.

Landgut Jas de Bouffan, 1885-87, die Häuser stellen sich schief ins Bild als seien sie in Bewegung, es herrscht die Statik des Bildes, sie wären betrunken, hieß es bei Zeitgenossen.

Bucht von Marseille, 1885, Wasser der Bucht ist ein dickes Volumen.

Mardi Gras, 1888, zwei seltsam verspannte Clowns, der hintere lauscht in sich hinein, während er auf dem Arm des vorderen anklopft, als sollte sich etwas öffnen.

Brücke am Fluss der drei Quellen, 1906, Aquarell, Flächennetzwerk durchsichtiger Farbe.

Der See von Annecy, 1896, Heckel sah das Bild und erinnerte sich als er den“Gläsernen Tag“ malte.

Stillleben mit Äpfeln und Orangen, 1895-1900, Paula Becker-Moderson sah das Bild und malte ein Stillleben mit Äpfeln und Bananen, bei dem sich die Tücher wie ein Wasserfall über die Tischkante stürzen und die Früchte und Korb mitnehmen.                                      Alle Maler der folgenden Generation berufen sich auf Cezanne.

Es kam der junge Picasso, der das erlernte akademische Handwerk im Schlaf beherrschte, davon gelangweilt, bei Vollard vorbei, sah dieses Vexieren der Perspektiven, das Verwobene von Ferne und Nähe, die verspannten Linien, den kubistisch gebauten Raum, in dem der Putto steht, die hölzernen Formen bei Cezanne, gewölbte Volumen der Landschaften, nahm irritierende Eindrücke mit, prüfte sie bei weiteren Besuchen, drehte (bewegte) sie in seinen Gedanken, erprobte sie auf der eigenen Leinwand bis die Idee des Kubismus sich zeigte, der die Bewegung der Gegenstände in der Unbeweglichkeit des Bildes dadurch schuf, dass sich der Maler vor dem Model bewegte, es aus verschiedenen Perspektiven betrachtete und im Bild alle vermischt und gleichzeitig zur Anschauung brachte, nicht die Bewegung des Models, Motivs zeigte, sondern die Bewegung des Malers, Betrachters vor dem Modell war Ursache der Vielseitigkeit, ja Mehrdeutigkeit seiner Erscheinung im Bild, der Kopf von Vorn und der Seite zugleich zu sehen, die Nase von vorn die Seitenansicht zeigte und das frontale ägyptische Auge ins Profil vexierte.

Cornelius sagte: mein Vater war das Genie und ich falle entspannt aus angespannter Zeit. Der Verwalter, der mit sich nichts……………………………………

…………..Einfügen_DX………an dieser markierten Stelle hier ist noch eine längere Passage einzufügen, die gelegentlich erscheint, ohne dass darauf hingewiesen wird. Der Text behält sich ferner vor, ständig kleinere oder größere  Teile von sich  zu ändern, einzufügen, zu streichen, einzele Worte auszutauschen, Sätze umzustellen, zu entfernen und mit sich genauso zu verfahren wie es ihm beliebt!

Robert Hood, ob es ihn so ähnlich gab, wie wir ihn aus den Balladen kennen, weiß man nicht, doch macht dies so neugierig, dass seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten –man weiß es nicht- nach Spuren (Hinweisen) seiner realen Existenz gesucht wird, zwar Personen seines oder ähnlicher Namen in den Quellen vorkommen, doch bleibt es Geheimnis, ob deren eine die in Balladen besungenen Taten vollbrachte. Es ist lange her und sei uns egal, wir wissen, dass er ein freiheitsliebender, sympathischer Haudegen mit kräftigen Muskeln war, und ein Schalk,für die Balladen zum Rebellen geboren und mit seinen tollkühnen Gesellen der wahre Edelmann gegen die Edelmänner dem Namen nach, hinter deren hämischen Zügen sich die Gesinnung von Schurken mit ihren Verbrechen verbarg. Es gab ihn, erfunden oder nicht, es zählt, dass wir glauben, es habe ein oder mehrere Vorbilder für diesen Robin Hood gegeben, der Geschichten mit Pfeil und Bogen schrieb, die sich die Jahrhunderte bis heute erzählen. Robin Hood, Held des Volkes, katholisch, worüber nicht zu lachen ist, denn daraus bezog er Mut und Moral, sich besonders gegen diejenigen zu wenden, die als Vertreter des Glaubens die Moral, die sie uns lehren, nicht leben, weil sie sich mit ihrer einträglichen gesellschaftlichen Stellung, die ihnen wichtiger als Glaube und Gewissen, nicht vertrug.

Da Robin ein Balladenleben führte, mit dem Langbogen Dichtung schrieb, legen wir ihn in die Zeit, die uns passt, die Dekade, als Richard I, Löwenherz, katholisch, kraftvoll, Sponsor und Verehrer geistlicher Gesänge, vielleicht noch angesehener als Robin, König von England, 1189-1199, war, die freie Jagd gestattete, die Johann Ohneland, Richards Bruder, der ihn während der Zeit des Kreuzzugs, 1189-1192, seiner Gefangenschaft in Wien und auf Trifels bis 1194 und seiner späteren Aufenthalte in Frankreich, vertrat, wieder verbot. Es war für die Menschen jener Zeit deprimierend, dass es für sie keine festgeschriebenen, (eingehaltenen) Gesetze gab, sondern das „Gesetz der Herrenlaune“ ihr Schicksal bestimmte, und es Glücksache war, ob ihnen die Hölle bereitet wurde oder das Leben sich freundlich gestaltete, wenn dem Herrscher Güte und Fürsorge ein selbstverständlich moralisches Anliegen waren. Richard gilt als weiser, edelmütiger Herrscher, hatte aber kaum Gelegenheit die ihm angehefteten Eigenschaften zu beweisen, da er sich während seiner zehnjährigen Herrschaft weniger als ein Jahr insgesamt, das mit Unterbrechungen, -er kam im August 89 zu seiner Krönung am 3. September, einem historischen Unglückstag, nach England und verließ es schon wieder vor Weihnachten ohne das Judenpogrom, das am Tag seiner Krönung in London begann, zu verhindern- in seinem englischen Königreich aufhielt und außer seiner 2-jährigen Gefangenschaft von Krieg zu Krieg zog, ihm aber klösterliche Chronisten als bekennendem Katholiken, Gottesdienstbesucher, Bewunderer kathedraler Choräle  -neben den epischen Sagen und den Balladen die Popmusik jener Zeit, deren Sprache Latein oder Mittelenglisch und in Frankreich der Dialekt der Île-de-France war-  und Kreuzfahrer, eine günstige Presse für die Geschichtsbücher schrieben als Inbegriff des weisen, guten Königs, der Milde und Geduld gegen seine Untertanen übte und über so ausgezeichnete militärische Fähigkeiten verfügte, dass er seine Kriege gewann, während sein Bruder Johann Ohneland von all dem das genaue Gegenteil verkörperte, ein Despot gegen seine Untertanen und ein unbegabter Heerführer, der seine Kriege verlor, mit ihnen sein Land. -Der Chronist Richard von Devizes beschreibt König John als einen wütenden Verrückten, der “Schaum vor den Mund bekam”.-

Das spannendste an seiner glücklosen Herrschaft war die Rebellion seiner Barone, die zur Magna Carta Libertatum, den niedergeschriebenen Freiheits- und Besitzrechten des Klerus und des Adels führten. Die Leibeigenschaft der Namenlosen blieb in diesem Verfassungswerk unerwähnt, ungerührt bedachte man  sich, aber nicht die, auf deren Kosten man nach den Dogmen allerheiligster Gesetze lebte.  König Johann I. (1199-1216), wegen seiner riesigen Landverluste als OhneLand verspottet, wurde von aufständischen englischen Baronen gezwungen, die Magna Charta zu unterschreiben. Mit ihr wurde die königliche Macht beschränkt, diejenige des Klerus und des Adels aber wesentlich gestärkt (Große Urkunde der Freiheiten, „Großer Freibrief“ vom 15 Juli 1215 in lateinischer Sprache von Johann I, Ohneland, unterzeichnet, stellt eine frühe englische Verfassung dar, an der sich spätere orientieren. Aber bereits die Magna Carta Libertatum nimmt Bezug auf eine frühere Verfassung und übernimmt größere Textpassagen direkt aus der „Carter of Liberties“, einer Vereinbarung Heinrich I aus dem Jahr 1100 mit dem Adel, welche etliche Rechte des hohen Klerus und des Adels anerkannte, aber nicht achtete.

 

§ 1. Daß die Kirche von England frei sein soll, und ihre vollen Rechte und Freiheiten unverletzlich genießen soll.

§ 2. Wir und unsere Nachkommen für alle Zeiten haben allen Freien unseres Reichs alle unten stehenden Freiheiten verliehen, daß sie und ihre Nachkommen dieselben haben und behalten sollen auf immer, von uns und unseren Erben.

§ 3. Wenn einer unserer Grafen, Barone oder sonst einer, der eine Offiziersstelle bei unserm Militär begleitete, stirbt, und zur Zeit seines Todes sein Erbe volljährig ist und eine Lehensgebühr zu entrichten hat, so soll er seine Erbschaft nach dem alten Lehensgesetz erhalten, und zwar: der Erbe oder

die Erben eines Grafen eine volle gräfliche Baronie gegen Entrichtung von 100 Pfd. Sterlin; der Erbe oder die Erben eines Barons, eine volle Baronschaft gegen Entrichtung von 100 Pfd. Sterling; der Erbe oder die Erben eines Ritters ein volles Ritterlehen gegen Entrichtung von höchstens 100 Schillingen; und derjenige, welcher weniger zu entrichten schuldig ist, soll weniger zahlen, gemäß dem alten herkömmlichen Lehensgebrauch.

So geht das weiter bis § 79.

Eine erste englische Verfassung.

Das, was Volk genannt wird, hatte nicht die Mittel, seine begehrten Freiheiten und Rechte durchzusetzen, so blieben wichtige Rebellionen Sache des Adels, der über einen militärischen Apparat verfügte, was wir auch im Vorlauf der französischen Revolution sehen, als die Notabelnversammlung Ludwig XVI die Unterstützung verweigerte, -zu Recht, denn zwei Vorgängerkönige Ludwig XIII und der XIV, hatten den Adel aus der Beteiligung an der Politik des Staates verdrängt und den Absolutismus geschaffen, den der erste erfand, der zweite, der Geschmack daran fand, ausbaute und alle Macht bei sich  personalisierte,- polierte als französischer Pharao den Glanz Frankreichs auf dem Rücken der Leute, rief damit den Neid der Feinde herauf, – der dem Nachfolger Ludwig XV vererbt und Ludwig XVI samt Staatsruin hinterlassen ward, was die Notabeln der (von Ludwig XVI einberufenen) Versammlung zur Einsicht verführte, dass auch die Verantwortung für die Misere des Staates allein bei diesen allmächtigen Personen läge, die sehen mochten, wie sie ihre Welt wieder einrenkten, begehrten sie Hilfe, hätte sie in der Abtretung von Rechten ihren Preis, was daran scheiterte, dass Begeisterung für notwendige Maßnahmen sich auf keiner Seite einstellte, sondern Sturheit die Probleme auf sich beruhen ließ bis die Probleme selbst Lösungen für sich fänden -, damit eine Rebellion einleiteten, die das, was Volk genannt wurde, gerne aufgriff, um die längst verbreiteten Vorstellungen der Aufklärung in der folgenden Versammlung der Generalstände zum Vortrag und zur Durchsetzung zu bringen. Es soll nicht verschwiegen werden, dass nicht das Volk, was würde es schon auf die Beine oder in Gang bringen, sondern die sich unter dem Volk befindenden Anwälte, das Bürgertum des 3.Standes, durch seine Tätigkeit im sozialen Gefüge besser platziert, die Chance sahen als Deputierte, – von Wahlmännern gewählt, die ihrerseits im Vorgang gewählt wurden -, ihrer Stadt oder Region nach Paris zu ziehen, die Forderungen formulierten, die sie den Gemeinden verkauften, und als gebundene Cahiers de Doléances dem König vorlegten, der sich sehr wunderte, was da auf seinen Tisch kam und keinen Moment daran dachte, solchem Begehren nachzukommen.

Das fernsehbeauftragte Bild eines edelmütigen Richard I, Löwenherz, kann man keinem republikanischen Leser verkaufen ohne dass er es merkte und selbst nach der Wahrheit suchte um über diesen König zu urteilen, der Franzose, nicht Engländer war, das englische Königtum von seinem Vater Heinrich II erbte, der dort von 1154-89 zu herrschen versucht hatte, nachdem seine Mutter Mathilde, die Anspruch auf den englischen Thron erhob, am Ende eines jahrelangen Bürgerkriegs in einem Friedensschluss 1153 erreichte, dass König Stephan, ihr Gegner, ihren Heinrich adoptierte und als Nachfolger einsetzte, für Richard selbst, zwar in Oxford als dritter Sohn Heinrich II und Eleonore von Aquitanien, beide rein französisch vom Stammbaum, geboren, soll eine englische Urgroßmutter das dünne familiäres Band zur Insel knüpfen, wie es sich mit dem ausschließlich französischen Stammbaum seiner Eltern vertrage, mögen andere erfinden, -mich beschäftigt es nicht-, aber dass er nicht Englisch sprach, interessiert schon, wie auch sein Vater Heinrich II und beide wenig Neigung verspürten, sich in ihrem Königreich aufzuhalten.

Krönungen fanden sonntags statt, so war es schon bei Richards Vater Heinrich, und seiner Eleonore von Aquitanien, die am Sonntag, dem 19.Dez 1154, in Westminster Abbey zum englischen Königspaar gekrönt wurden.

Richard hatte sich nun ausgerechnet Sonntag, den 3.September 1189 –die nächstliegenden Sonntage wären der 27. August und der 10. September gewesen- für die Krönung ausgesucht, an dem alle mittelalterliche Welt ein Unglück erwartete, warum, ja der 3. September ist von alters her -schon seit ägyptischer Zeit- ein gefürchteter Unglückstag, einer von mehreren Schwendtagen im Laufe jedes Jahres, an denen man nichts Neues beginnen sollte, auch als „verworfene“ Tage bezeichnet, wovon der 3. September einer der wenigen war, die als schwer verfluchte Tage gelten, die der mittelalterliche Mensch, mit überlieferten Mysterien vertraut, beachtet, fragt man jetzt, warum Richard I diese dunkle Bedrohung ignorierte, was ihm am Krönungstag mit einem anarchistischen Ausbruch tödlicher Gewalt gegen das Londoner Judenviertel quittiert wurde, der ihn an der seiner königlichen Macht zweifeln machte.

Aber es ist anzumerken, dass sich die Ursache des Pogroms in der Kreuzzugspropaganda findet, es genauso –Unglückstag hin oder her- an einem besser gewählten Termin für die Krönung stattgefunden hätte und man außerdem den Verdacht hegen kann, es sei durch Dekrete und die üblichen Mauscheleien verbohrter Rechtsmacher und Fundamentalpapisten unmittelbar vor der Krönung eingefädelt worden. Die Juden hätten es ahnen können, da die mittelalterlichen Pogrome sich immer im Zusammenhang mit dem Aufruf zu Kreuzzügen und deren Hasspredigten gegen die Mörder Christi, Juden, ereigneten. Der Saladin-Kreuzzug war immerhin schon der dritte.

“Die mala predictus Ricardus consecratus est”, scribit Benedictus de Peterborough.

Das ist eine deutliche Anspielung auf den gefürchteten 3. September, den Tag der prachtvollen Krönung Richard I, zu der alle Vasallen des nicht beherrschbaren englischen Reiches gekommen waren, an dem jedermann ein großes  Unglück erwartete, das sich mit voller Wucht in Gestalt eines blutigen Pogroms gegen das jüdische Viertel in London Bahn brach, danach auf andere Städte des Landes übersprang, wo verbohrter Hass, Wut und Raublust sich unterschiedlich austobten.

Man befand sich unmittelbar vor dem Kreuzzug gegen Saladin, der, in vielen Predigten und Flugschriften, der damaligen Werbemaschine, populär gemacht, viel Zustimmung fand, sogar Begeisterung auslöste, sodass sich zur Krönung des Königs bereits viele Kreuzritter aus allen Teilen Englands in London eingefunden hatten, die ihre gesamte Habe hingebracht hatten, um die Teilnahme am Heerzug ins HL zu finanzieren, sodass sich in den Händen der Juden –wie man wird annehmen müssen, auch die Schuldscheine und Pfänder vieler Kreuzritter befanden, die, obwohl sie sich noch auf englischem Boden bewegten, jetzt bereits nach Beute ausschauten, um sich wieder schadlos zu stellen, der Traum von Kriegsbeute, neben allen religiösen Motiven, vielen der Hauptgrund war, sich auf die Reise zu begeben. Im Zuge dieser aufgekratzten, frivolfreien Stimmung, in der man sich von allen Verpflichtungen in der Heimat gelöst und die Zelte bereits abgebrochen hatte, richtete sich der gierige Blick auf die Juden, die „Söhne des Teufels und Mörder Christi“, angeheizt durch christliche Propaganda, denen man ihre Privilegien und ihren Reichtum neidete, zwar gerne ihr Geld lieh, es weniger gerne zurückzahlte und die Zinsen mit ihnen zusammen zur Hölle wünschte,

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Wucher-Zinsen, welche die erpresserische Räuberei, mit der die Könige sich das Geld der Juden holten, begünstigten oder hervorbrachten, mit dem Kreuzzug hatten die Juden viele Geschäfte eingebracht, finanzierten ihn aber mit 60.000 Pfund Sterling, während die übrige englische Bevölkerung, die nicht auf Kreuzfahrt ging, insgesamt 70.000 Pfund Sterling aufbringen musste.

Heinrich II.  hatte zu den Juden in seinem Reich eine spezielle Beziehung. Sie besaßen beachtliche Privilegien und  Freiheiten, die ihnen fast uneingeschränkten  geschäftlichen  Spielraum ließen und genossen dabei den direkten Schutz des Königs. Dafür war alles, was sie besaßen und erwirtschafteten,  ihre Person („sicut res nostre proprie“ heißt es in Urkunden) eingeschlossen , Eigentum des Königs, worüber er jederzeit verfügen konnte. Sie beschäftigten sich mit dem, was ihnen seit jeher am besten von der Hand ging, mit Handel und Geld.

Da sie den gesamten Binnenhandel kontrollierten, verfügten sie über beachtliche Reichtümer, aus denen sich auch der König bediente, sie für den Staatsschatz einzog oder damit seine zahlreichen kriegerischen Unternehmungen finanzierte, sodass sie sich in des Königs besonderer Verwendung befanden, nämlich zu einer Zeit, da noch niemand an Banken dachte, die Funktion königlicher Bankiers innehatten, was ihre Sonderstellung ausmachte und ihnen die Rolle von Günstlingen verlieh, die für Adel, Klerus und Bürger unantastbar waren.

Vor der Willkür der Barone, mit denen Heinrich II ständige Probleme hatte und des Klerus waren sie sicher, da es sich um Angriffe auf königliches Eigentum gehandelt hätte. In den meisten Städten besaßen sie Bürgerrechte, insbesondere waren geschäftliche Abläufe zu ihren Gunsten geregelt.

Die Juden brauchten nur vor der königlichen Kurie vor Gericht zu erscheinen. In den Provinzen vertraten die Kommandanten der königlichen Burgen die Stelle des  Königs oder seines Oberrichters, womit sie nicht nur der Stadtgerichtsbarkeit, sondern vor allem der Jurisdiktion der geistlichen Gerichtshöfe entzogen waren.

„qui turres ilias custodierint“

Dennoch blieb ihre tatsächliche Lage prekär.  Alles, was sie erwarben, Geld, Gut, Land, Häuser erwarben sie nicht für sich, sondern für den König, der jederzeit das Recht hatte, ihr ganzes Vermögen oder einen Teil desselben einzuziehen, ohne dass sie dagegen einen gesetzlichen Widerspruch hatten, ein sehr weitreichendes Recht des Königs das nur in Ausnahmefällen Anwendung fand, während die periodisch wiederkehrenden Abgaben gesetzlich geregelt waren.  Ein Fall, in welchem  sich Heinrich von seinen Juden eine beträchtliche Sonderleistung holte, ging so: Gesandte Friedrich Barbarossas erschienen 1168 bei Heinrich II. um ihn für ein Anliegen des Kaisers zu gewinnen, das, wenn man es hier ausbreiten(entfalten)wollte, auf einen langen Weg in die endlosen Irrgärten der Geschichte führte, dem wir nicht folgen wollen. Heinrich II. war nicht geneigt, sich dem Anliegen Barbarossas zu öffnen, wollte es sich mit dem mächtigen Kaiser des Hl.Röm.Reiches auch nicht verderben und  komplimentierte die Gesandtschaft mit wohlklingenden Schmeicheleien, Honigworten und kostbaren Geschenken auf den Heimweg, aber das Geld für die Geschenke, über die hier keine Einzelheiten bekannt sind, holte er sich in einer rabiaten Aktion von seinen englischen Juden, indem er einige der Reichsten auswählte und sie so lange in die Normandie verbannte, bis die übrigen Mitglieder der Gemeinde die Summe von 5000 Pfund Sterling bezahlt hatten, eine Art der Erpressung, der man sich als Jude unterwarf. Wie das aber von statten ging, ob Waffen gebraucht wurden oder ein üblicher Verwaltungsakt, eine Art königliches Dekret die Erpressung  in Gang setzte, ist hier noch nicht bekannt, obwohl gerade das von größtem Interesse wäre.

Sie mussten in der Obhut des Königs bleiben und durften sich nicht dem Schutz eines der großen Lehensbarone des Reiches unterstellen, denn die Barone, zu denen stets angespannte Beziehungen bestanden, hätten gegen die Forderungen des Königs Einspruch erhoben, nicht um Juden zu schützen, sondern um dem König das Geld zu verweigern, das sie danach selbst genommen hätten.  Nach den geltenden Gesetzen wäre jeder Zugriff der Barone auf die Juden ein Angriff auf des Königs Eigentum gewesen, den sich die Barone sorgfältig überlegten.

Die Juden trieben mit jedermann Handel und unterhielten freundschaftliche Beziehungen zu den Mönchen und Klöstern, wo sie in den Kirchen ihre Wertpapiere und Schuldscheine aufbewahrten, weil sie dort wegen des geschützten und heiligen Ortes vor Diebstählen relativ sicher waren.

Trotz Raub und Erpressung erlebten die Juden unter Heinrich II die glücklichste Periode der englischen Geschichte.

 

Der rechtliche Status der Juden im hl römischen Reich, der als „servi camerae nostri“, Kammerknechtschaft beschrieben wird, worin eine auffallende Ehrlichkeit der Beschreibung ihres gesellschaftlichen Ranges liegt. Heute würde man sie „Sales Manager“ nennen, worauf sie sich etwas einbildeten, obwohl der Name nur ihre wahre Stellung vertuschte, dass sie nämlich in Person und Besitz königliches Eigentum waren, sodass sie kein Widerspruchsrecht hätten, wenn der König ihr gesamtes Vermögen einzöge, was er nie tat, weil er ihr einträgliches Wirken brauchte und ihnen dafür relativ hohe Sicherheit und Freiheit für ein gutes Leben zugestanden wurde: Schutz von Leben und Eigentum, Freiheit der wirtschaftlichen Betätigung, Freiheit der Religionsausübung, Recht zur Beschäftigung christlichen Hauspersonals, Autonomie der Jüdischen Gemeinde in innerjüdischen Rechtsangelegenheiten, Festlegung einer verbindlichen Verfahrensordnung für Streitigkeiten zwischen Juden und Christen, was sich bis zur Krönung Richards nicht geändert hatte, doch des ungeachtet mit ihrer Feier am 3.September 1189 für die Juden eine verstörend gewalttätige Wende geschah, als noch während des Krönungsfestes der Hass des Volkes auf die Juden alle gesetzlichen Schranken riss und sich in einem blutigen Ausbruch entlud, der während des Krönungsmahls im Westmister Palast begann, wo auch Balduin von Canterbury opulent speiste, nachdem er dem König bei der Krönung in der Abbey die schwere Krone aufgesetzt hatte, selbst kein Freund der Juden war, noch jüdischen Proselyten traute, aber wohl an dem folgenschweren Edikt, zur Aussperrung der Juden mit gestrickt hatte.

Ein öffentliches Edikt, am Tag vor der Zeremonie erlassen, wird bei Benedict von Peterborough erwähnt und beschrieben: “Et quia Rex  die praecedenti prohibuerat communi edicto, ne Judaeus vel mulier ad coronationem suam veniret“, Juden und Frauen durften weder an den Feierlichkeiten in der Kirche noch am späteren Krönungsmahl teilnehmen. Eine Prozession zog von der Kirche zum Westminster Palast, wo im großen Saal das Festmahl und weitere Zeremonien folgten, bei denen die Vasallen des Reiches ihre Huldigungen darbrachten.

“Principes Judaeorum contra prohibitionem Regis supervenerunt” dicit Benedictus.  Es erschien eine Delegation jüdischer Persönlichkeiten mit Geschenken, die sich ihre Privilegien bestätigen lassen wollten. Da sie aus anderen Städten angereist waren, sind sie von dem sehr kurzfristigen Erlass überrascht worden und wollten wohl ihr Glück versuchen, wobei man sich fragen sollte, wer hinter diesem Erlass steckte, der erstens bei Betracht jüdischer Finanzleistungen nicht sehr freundlich war, sich zweitens durch seine Kurzfristigkeit verdächtig machte und die von weit Angereisten vor den Kopf stoßen musste, da ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen wurde. Leider können wir nicht feststellen, was hier gespielt wurde, was an den folgenden Ereignissen inszeniert war und was auf nichtkalkulierbares zufälliges Zusammentreffen von Situationen und Handlungen zurückzuführen ist. Die Bereitschaft zur Aggressivität lag wohl in der Luft,

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entzündet vom Gift der Kreuzzugspropaganda und der Beutestimmung, die die Kreuzfahrer verbreiteten. Als die jüdischen Deputierten den Königssaal betreten wollten, wurden sie von den Türwachen wegen des Ediktes zurückgewiesen und unter Schlägen und Misshandlungen aus dem Palast geworfen, worauf  Balduin von Canterbury unheiligen Einfluss gehabt habe, das Volk, der Pöbel und die Kreuzritterschaft, gerne dem Beispiel der Hofschranzen folgend, auf die völlig verstörten Juden einschlugen, die, verfolgt von der johlenden Menge, schleunigst trachteten ihre Häuser zu erreichen,   – ein zeitgenössischer Autor spricht davon, dass der Pöbel den heiligen Krieg gegen die Juden eröffnete –  wo sie die schweren Türen zuschlugen und verrammelten, als sich auf einmal das Gerücht verbreitetet, dass der König den Untergang der Juden wünsche, womit die Verfolgung neuen Schwung bekam und die Meute sowie die entwurzelten Kreuzritter keine Skrupel mehr hatten, offen nach Beute zu trachten und begannen die soliden Häuser des ganzen Judenviertels zu belagern. Einige der jüdischen Deputierten hatten in den Häusern von Juden oder Christen Unterschlupf gefunden, denn wer es nicht schaffte von der Straße zu kommen -das waren vermutlich einige- wurde erbarmungslos nieder gehauen, beraubt, gar getötet.

So ganz genau wissen wir das nicht, aber wenn wir nach jahrzehntelanger Erfahrung  mit der Spezies, von der hier die Rede ist, deren Namen ungenannt bleibt, weil er ein Täuschungstitel ist, unsere Vorstellungskraft aufrufen, erraten wir ziemlich genau die unwürdigen Vorkommnisse, deren Zeugen wir nicht waren.

Ein Fall ist überliefert und der schlagendste Beweis für die vorangegangene Behauptung. Die einzigen auswärtigen Deputierten, die uns namentlich bekannt sind, waren die Vorsteher der Gemeinde York, Benedict und Joceus, nehmen aber an, dass alle größeren jüdischen Gemeinden des Landes Deputierte zur Krönungsdelegation entsandt hatten. Rabbi Benedict aus York, der wie die anderen aus dem Palast verjagt worden war, geriet auf der Straße in die Hände der wütenden Horde, die ihn bewusstlos schlug, in diesem Zustand in eine Kirche schleppte, damit ihn der Prior von St. Marien in York, der wohl auch nach London gereist war, auf den Namen Wilhelm taufe. Am nächsten Tag ließ sich der (empörte)verzweifelte Benedikt zum König führen, ihn um Dispens von der gewaltsamen Taufe zu bitten, da er nun mal aus ganzem Herzen Jude und nichts anderes sei. Der König, in schlechter aber feiner Gesellschaft Balduins von Canterbury, -der nahm als Vorhut am Kreuzzug teil und starb 1190 vor Akkon- fragte diesen, was zu tun sei, erhielt die Antwort, dass, wenn er kein Sohn Gottes sein wolle, er in Gottes Namen ein Sohn des Teufel bleiben solle, worauf Richard die gewaltsame Taufe löste, aber Benedict, wenigstens wieder im Einklang mit seiner Religion, noch auf der Rückreise in Northampton den Verletzungen erlag, die man ihm in London zugefügt hatte.

Da die Belagerung des Judenviertels nun schon seit 3 Uhr nachmittags bis Sonnenuntergang dauerte ohne Erfolg oder die Aussicht darauf, ging man dazu

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über, das Viertel in Brand zu stecken um die Juden aus Ihren Häusern zu treiben und sie zu plündern, eine Strategie, die gelang, weil bald das ganze Viertel (lichterloh) brannte und man befürchten musste, dass das Feuer auf die angrenzenden Quartiers übergriff, als die Häuser aufgingen, geräucherte Juden herauskamen, die sich schlachten ließen, hatten die Belagerer großen Spaß daran, umso mehr, als die Morde auch noch mit realen Reichtümern belohnt wurden, die sie mit schweißtreibender  Arbeit nie erlangt hätten, aber einzelnen Erzählungen folgend wurde Richard über die Vorgänge unterrichtet, wäre auch am Tatort erschienen, habe versucht das Morden und Rauben zu beenden, doch von der Wut der Massen, die völlig außer sich waren, nur Hohn erhalten, habe sich gar zurückziehen müssen um nicht selbst angegriffen zu werden, gleichfalls sein Justiziar Ranulph de Glanville –nahm am Kreuzzug teil und starb auch 1190 vor Akkon- , der diesen Auftrag hatte, nichts zur Eindämmung der Volkswut bewirkt habe, sondern das Gemetzel im Judenviertel noch die ganze Nacht andauerte bis die Sonne aufging und man die Überreste der Häuser, über denen noch Rauchfahnen und beißender Geruch aufstiegen, sah, bedeckt von den Leichnamen der Ermordeten, schaurige Ereignisse, die der Chronist Richard von Devizes aus der Vogelperspektive mit wenigen Sätzen überfliegt, signalisiert uns aber, dass viele Opfer verbrannt wurden, weil er für die Tötungen den Ausdruck Holocaust erstmals verwendete. –

Am Tag der Krönung Richards … begannen sie in der Stadt London die Juden ihrem Vater, dem Teufel, zu opfern. Sie brauchten so lange, um dieses Mysterium zu feiern, dass der Holocaust am zweiten Tag mit Mühe vollbracht wurde. Die anderen Orte und Städte des Landes eiferten dem Glauben der Londoner nach und entsandten mit gleicher Hingabe ihre Blutsauger blutig zur Hölle. Ähnlich, wenn auch nicht überall gleich, tobte der Sturm gegen die Unbelehrbaren im ganzen Königreich. Nur Winchester schonte seine Würmer, die Bevölkerung war klug und vorsichtig und die Stadt handelte immer zivilisiert.

 

Diese kurze, übergreifende Beschreibung, welche auf die grausamen Einzelheiten der Ereignisse nicht eingeht, sondern sie nur allgemein charakterisiert und dabei eine blumige bilderreiche Sprache verwendet, welche keine Teilnahme am Leid der Opfer sondern eine  leidenschaftliche Ablehnung der Juden erkennen lässt, sie mit allen Attributen belegt, die die christliche Welt ihnen angedichtet hat, dass sie Söhne des Teufels seien und ihm geopfert wurden, Blutsauger, die mit Hingabe getötet wurden, ein Sturm tobte gegen die Unbelehrbaren, aber immerhin wird Winchester als positives Beispiel erwähnt, wo die Bevölkerung so vernünftig war, ihre Juden, die der Autor „Würmer“ nennt, zu schonen.

 

Auch der bekannte, sehr geschätzte Rabbi Jakob aus Orléans fand in London den Tod.

Richard war vielleicht fassungslos, dass gleich am ersten Tag seiner Herrschaft die Gesetze aus den Fugen gerieten und seine Autorität verhöhnt wurde, verfügte aber über genügend Soldaten den Aufstand niederzuschlagen, weshalb man ihm vorhalten muss, dass er es nicht tat, denn nach dem Stand der Gesetze, war der Angriff auf die Juden ein Angriff auf sein Eigentum, über den Gericht gehalten wurde und man aus einer immensen Zahl von Tätern, etliche Kreuzritter hatten sich vorsorglich aus dem Staub gemacht, mühsam drei Schuldige fand, die nach einem Urteil am Galgen gehängt wurden. Nach Berichten waren es nicht die eingesessenen Bürger, sondern die herumstreunenden Kreuzfahrer, welche überall im Lande diese Gräueltaten verübten, woran viel Wahres sein mag, aber Zweifel angebracht, da es leicht vorstellbar ist, dass auch mancher Bürger die Gelegenheit nutzte, sich zu entschulden, wie es in der späteren Verfolgung und Tötung der Yorker Juden, geschehen wird.

Richard erneuerte den Schutz seiner Juden unter Drohung strengster Bestrafung, die solange wirkte, als er sich noch in England aufhielt, aber nach dem 11. Dezember mit der Reise in die Normandie um mit Philipp II die längst laufenden Vorbereitungen des Kreuzzug voranzutreiben, entflammten die Judenverfolgungen in den Provinzialstädten, mögen sie durch religiösen Eifer der Kreuzzugspropaganda ausgelöst worden sein, waren doch Neid, Missgunst, Gier und der Verlust aller Hemmungen und Skrupel ihre Triebfedern, um noch vor Abreise eine Gelegenheit zu nutzen, seine Schulden loszuwerden und zugleich Reichtümer zu erbeuten.

 

Nun waren diese Pogrome so außergewöhnlich nicht, sondern scheinen kurz vor Beginn eines Kreuzzugs beinahe üblich gewesen zu sein.  Da dieser hier der dritte Kreuzzug war, hätten die Juden gewarnt sein müssen.

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Noch 1189 ermordete man die große Judengemeinde in Lynn. Am 6.Feb 1190 war die Verfolgung in Norwich, viele wurden getötet, einige fanden Zuflucht in der Burg. Am 7.März war das Judengemetzel in Stamford, wo sie auf dem Markt beraubt, einige getötet wurden, andere in der Zitadelle Zuflucht fanden. Ein Kreuzfahrer namens Johannes stahl sich mit seiner Beute nach Northampton davon, wo er durch Verschwendung und Angeberei auffiel. Sein Wirt, ein so großer Schurke wie Johannes selbst, brachte ihn um und warf die Leiche auf die Straße. Als man ihn beerdigen wollte, entdeckte man das Kreuz auf seinem Mantel, erklärte ihn zum Märtyrer, legte Opfergaben an seinem Grabhügel nieder und verehrte ihn als Heiligen bis der Bischof von Northampton den Frevel verbot. In Lincoln begaben sich die Juden sofort in den Schutz der königlichen Burg, als sie von den Gräueltaten hörten. So hielt sich die Verfolgung im Rahmen.

Tragisch war das Schicksal der Yorker Gemeinde, wo die Wut schlimmer wütete als in der Hauptstadt, weil die Geistlichkeit die Kreuzfahrer zum Judenmord anstiftete. Hier begann die Verfolgung ohne äußeren Anlass, heimlich in der Nacht auf Verabredung, wurde das Haus des an seinen Verletzungen verstorbenen Benedikt, der in London in die Fänge der Bande geraten war, gestürmt, dessen Frau und Töchter ermordet, das Haus geplündert und niedergebrannt. Danach war Joceus an der Reihe, der schon ahnte, was kam, das Kostbarste mitnahm und sich mit der Familie in die Burg begab, wo viele sich einfanden und vom Gouverneur aufgenommen wurden. Wer in der Stadt blieb, wurde erschlagen, Greise, Frauen und Kinder ohne Unterschied.

Vor der Burg sammelten sich nun die Kreuzfahrer und mordlüsterne Bürger der Stadt, um sie zu belagern und zu stürmen, indes sich die Juden in der Burg verschanzten und sie so entschlossen verteidigten, wie es nur die können, die wissen, dass sie um den höchsten Preis kämpfen, musste man sich dann aber entschließen den Gouverneur und Gastgeber, der die Burg öfter verließ und wieder zurückkehrte, auszusperren, weil man befürchtete, dass er alle Insassen an die Meute vor den Mauern verraten und verkaufen wolle, worauf dieser im Zorn den Sherif der Grafschaft Johann Marschall zu Hilfe rief, der mit einer militärischen Einheit gerade in York weilte. Er kam mit seinen Truppen, denen sich, weil die Sache jetzt einen Eindruck der Legalität machte, noch weitere Bürger angeschlossen hatten und befahl den Angriff, der trotz verdoppelter Stärke abgewehrt wurde. Nun war der Sherif so dumm nicht, dass ihm nicht sehr bald aufgegangen wäre, was hier gespielt wurde und sich schleunigst zurückzog, weil er den Zorn des Königs fürchtete, der ihm nicht verziehen hätte, in seinem Namen als Beschützer und Unterstützer von Mördern und Räubern aufzutreten. Schon rieten auch einsichtige Bürger, die Belagerung aufzugeben. Aber in solch kritischen Momenten, in denen die Stimmung sich sowohl hierhin als auch dorthin neigen kann, treten auch die Schafmacher Gottes auf um die Leute an ihre niederen Instinkte zu erinnern und ihnen zu erklären, dass man so leicht keine

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Mordabsichten aufgeben darf. Eine solche Stimme aus dem menschlichen Abgrund war ein Mönch vom Orden der Prämonstratenser, der seine fanatische Rede mit dem Ruf enden ließ: Nieder mit den Feinden des Heilands, als er, durch seinen hasserfüllten Eifer unvorsichtig, bei der Suche nach einem erhöhten Platz für seine Hetzpredigt der Burgmauer gefährlich nahe kam, tötete ihn ein Steinwurf von oben, dass er schwieg.

Die Juden sollen den Belagerern für ihre Schonung große Geldsummen angeboten haben, die aber zurückgewiesen worden seien, dass allen, die in der Burg weilten, der nahende Zeitpunkt vor Augen war, da die Lebensmittel zu Ende gingen und eine Entscheidung zu treffen sei. Nachdem sie sich über ihre Aussichten zu überleben beraten hatten, entschlossen sie sich dazu, sich gegenseitig zu töten um nicht in die Hände der Schurken da draußen zu fallen. Sie vergruben ihre Kostbarkeiten, Papiere und was sonst geeignet war, verbrannten sie.

Dann töteten die Männer zuerst ihre Frauen und Kinder, danach einer den anderen bis der letzte sich selbst entleibte, 500 Männer, die Frauen und Kinder,

folgten einem Vorbild der Geschichte, als am Ende des jüdischen Aufstands gegen die Römer unter K. Nero Jerusalem im Jahre 70 bereits gefallen war, doch die Zeloten mit ihrem Anführer Eleazar Ben Yair auf der Festung Masada, die auf einem kaum zugängliche Hochplateau lag, noch Widerstand leisteten, und im Jahre 73 nach Christ kollektiven Selbstmord begingen, 960 Männer, Frauen und Kinder, um nicht in die Hände der Römer zu fallen, die am 15.4.73, einem Donnerstag, in die Festung eindrangen, als Totenstille herrschte und sie nur 2 Frauen mit 5 Kindern, die sich versteckt hatten, lebend vorfanden, welche berichten konnten, was geschehen war.

Einige Juden der Burg hatten sich an den Selbstmorden nicht beteiligt und verhandelten mit ihren Belagerern, die sie, wenn sie sich taufen ließen, nicht töten wollten. Als sie darauf die Burg verließen, wurden alle umgebracht. Das geschah am 16. und 17. März 1190, einem Freitag und Samstag.

Kaum war es vollbracht, offenbarte sich der wahre Grund ihrer Obsession, die Feinde des Heilands zu töten, als sie nämlich allesamt zur Kathedrale strömten, wo die Schuldscheine der Juden aufbewahrt wurden, den Küster bei Bedrohung seines Lebens zwangen sie alle herauszugeben und damit ein Auto da Fè veranstalteten, wovon auch viele Bürger profitierten, die sich der Belagerung nicht angeschlossen hatten und ihre Hände in Unschuld waschen konnten.

 

Wenigsten einer der drei Leser dieser Geschichten wird sich fragen,

woher die vielen Einzelheiten der fast 1000 Jahre zurückliegenden Ereignisse stammen –ich verrate meine genauen Quellen nicht- aber ganz allgemein sei gesagt, vom Fernsehen kommen sie nicht, man findet sie im Internet, das, wenn man immer redlich sich bemüht, doch einiges preisgibt. Wer also nach Fernsehen, Facebook, Twitter, Instagram, all den (nützlichen) aufdringlichen Dingen noch Zeit hat, kann das, was hier berichtet wird in alten Quellen überprüfen,

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doch selbst wenn es um englische Ereignisse geht, hilft ihm diese Sprache nichts, denn die gebildeten klösterlichen Schriftsteller, die manchmal in nicht leicht verständlichen Bildern sprechen, schreiben auf Latein, damit nicht gleich jeder alles lesen kann, was sich zugetragen hat.

 

 

 

 

 

 

(Edikt von Le Mans Jan. 1188? 1189 nach einer Idee Heinrichs II, Saladinzehnter, in Frankreich und England berechnet auf Habe und Einkünfte jedes weltlichen Untertan, Exkommunikation über jedermann, der den Zehnten nicht zahlte, zu zahlen von jedermann, der nicht am Kreuzzug teilnahm).

 

Saladinzehnt

Entrichtet werden soll der Zehnte  in den einzelnen Pfarreien und zwar in Anwesenheit des Pfarrpriesters, eines Mittglieds der Ritterorden, eines Dienstmannes und Geistlichen des Königs, eines Dienstmannes und Geistlichen des Barons sowie eines Geistlichen des Bischofs.

Dieser Sicherung zum Trotz wird wohl nicht jeder gesammelte Saladinzehnt für den Kreuzzug verwendet. Als einziger Lehensmann Heinrichs II. sieht sich der schottische König Wilhelm der Löwe  außer Stande seine sparsamen Barone zu der Abgabe zu zwingen.

Kopfsteuer finanziert Kreuzzüge

Die Teilnahme an einem Kreuzzug ist ein finanzieller Kraftakt. Jeder, ob Pilger, Ritter oder Soldat, muss seinen Anteil bezahlen und sich um die Versorgung mit Lebensmitteln kümmern. Wer sich als Kämpfer einem der Adligen anschließt, muss seine Ausrüstung selbst bezahlen. Zahlreiche Ritter suchen sich deshalb wohlhabende Förderer. Andere verkaufen oder verpfänden ihren gesamten Grundbesitz und setzen damit die Existenz ihrer Familie aufs Spiel. So verpfändet der Herzog der Normandie, Robert, für den ersten Kreuzzug sein ganzes Herzogtum. Für einen König können die Kosten schwindelerregende Höhen erreichen. Ludwig IX. von Frankreich verbringt sechs Jahre auf einem Kreuzzug, d.h. 6 Jahre Sold für die Ritter und das Fußvolk. Hinzu kommen die Kosten für den Bau oder die Reparaturen von Festungen im HL. Schätzungen zufolge belaufen sich Ludwigs Ausgaben auf das Zwölffache des königlichen Jahreseinkommens. Mit Einführung des Saladinzehnten durch Heinrich II, der ein großer Geldbeschaffer war und Philipp II. erreichte der Griff in die Taschen der Leute eine neue Dimension, obwohl nur für die Kreuzzugsfinanzierung  erdacht, flossen die Pfunde auch in die schwarzen Löcher derer von Ihro Gnaden,  Zum ersten Mal wird die gesamte Bevölkerung zu einer Kreuzzugsabgabe verpflichtet, nur bei den armen schottischen Baronen traute man sich nicht zu betteln, sie pfiffen ihrem König einen mit dem Dudelsack.

15,5

 

 

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WiederkehrderDDR?

                                                W i e d e r k e h r  d e r   D D R  ?

Wenn der Kuckuck ruft, soll man sogleich die Eier zählen.

Eisig klirrt „Enteignung“ in der Sommerhitze. Ein Gesetz zur Enteignung von Kunstwerken, in aller Heimlichkeit fabriziert und als Kulturschutzgesetz verkauft, ist dem Kulturstaatsministerium entfleucht, bevor es ebenfalls „heimlich in Kraft treten“ konnte. Es sieht vor, dass „besonders bedeutende Kunstwerke“ („was sollen das bloß für Dinger sein“) das Land nicht mehr verlassen dürfen. Sie würden per Gesetz nationalisiert indem sie in eine Liste eingetragen werden und dürften nur noch mit Genehmigung das Land verlassen. Im Weiteren bedeutet es auch, dass nunmehr jedes Kunstwerk unter Verdacht gerät und in langwierigem Verwaltungsprozess das Recht erwerben muss, das Land verlassen zu dürfen. In der Konsequenz führte es dazu, dass man vorab bestrebt wäre, alle Werke zu erfassen, wozu man in die Ateliers und privaten Sammlungen eindringen müsste, was ja bereits in diesem Gesetz stand, -wie wir erfahren durften.                                                    (Diese Ausfuhrgenehmigungspflicht eröffne dem Staat lediglich die Möglichkeit, zu prüfen, ob es sich bei einem Werk um “nationales Kulturgut” handelt. Diese Prüfung werde nicht willkürlich vorgenommen, sondern unter Hinzuziehung von Experten und Gutachten. Und Maler und Sammler könnten den Rechtsweg beschreiten, wenn sie mit einer Einstufung nicht einverstanden sind.)  „Könnten den Rechtsweg beschreiten“. Was für eine Aussicht für Eigentümer, was für eine Zumutung, um die Freigabe ihres Eigentums streiten zu dürfen und was das kosten wird. Ein Volltreffer, wenn die Prozesskosten den Wert des Gegenstandes übersteigen. Das Gesetz ist ein grandioser Eingriff in die Freiheit und Eigentumsrechte der Bürger. Es ist die Rückkehr der DDR.                                                                           Wir aber brauchen die Rückkehr der Freiheit und faire Verteilung des Geldes, um der „Kinderarmut“ zu begegnen, die es nicht gibt. Ein politischer Witzbold hat sich diesen hanebüchenen Spruch ausgedacht. Es gibt keine „Kinderarmut“. „Kinderarmut“ ist Elternarmut.

Entschlossener Widerstand kommt von den Künstlern, die frühzeitig aus der DDR geflohen sind.  Bei diesen ist die politische Wachsamkeit intakt und ihre Stellungnahme unmissverständlich. Baselitz fährt die schärfste Attacke, indem er sofort seine Bilder aus den Museen holt.

Georg Baselitz, geb. 1938 in Großbaselitz Sachsen, DDR,  eigentlicher Name: Hans-Georg Kern. 1956 Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Ostberlin, wegen „gesellschaftlicher Unreife“ von dort verwiesen. 1958 Umsiedlung nach Westberlin und Fortsetzung des Studiums an der Hochschule der bildenden Künste iWest bei Hann Trier. 1963 Skandal um ein Bild mit folgender Beschlagnahmung. Der Künstler holt gerade seine Bilder aus den Museen ab. Ebenso will die Enkelin des Malers Max Beckmann (1884 – 1950) mit den Werken ihres Großvaters verfahren.

Gerhard Richter, geb. 1938 in Dresden, DDR. 1950 wurde sein Aufnahmeantrag für die Hochschule der bildenden Künste in Dresden abgelehnt. 1951 konnte er sein Studium an der dortigen Kunstakademie antreten. Ende Feb. 1961 floh Richter über Westberlin nach Westdeutschland, ließ seine Bilder in der DDR zurück. Zum Teil hatte er sie verbrannt. Er werde seine Bilder nicht irgendeiner Kommission zeigen und fragen, ob er sie verkaufen dürfe.

Günther Uecker, geb. 1930 in Wendorf, Pommern,  DDR, aufgewachsen auf der Halbinsel Wustrow, studierte 1949 – 53 Malerei in Wismar. 1953, nach dem Aufstand des 17. Juni, verließ er die DDR und siedelte nach Westberlin über. 1955 ging er nach Westdeutschland, wo er im Lager Sandbostel wochenlang verhört wurde. Von 1955 – 57 studierte er bei Otto Pankok an der Akademie in Düsseldorf.  Das künstlerische Werk ist für mich Ausdruck, um nationale Grenzen zu überwinden und kulturelle Annäherung voranzutreiben. Das war und ist mein Bestreben als Künstler: die Überwindung von nationalen Begrenzungen. Der inhaltliche Impuls schöpft sich aus dem künstlerischen Willen, das nationalistische Erbe des vergangenen Jahrhunderts zu überwinden. Die Werke von mir, die sich als Leihgaben in Museen befinden, müssen möglicherweise vor Inkrafttreten des Gesetzes abgezogen werden, da sie vor über 50 Jahren entstanden sind. Die Regulierungswut, Kulturgut unter staatliche Kontrolle zu bringen, führt jedoch hoffentlich zu einem sich steigernden Intelligenz- und Protestpotenzial in der Bevölkerung. Künstler und Kulturvermittler werden Strategien entwickeln, dem Gesetz entgegenzuwirken. Auch Günther Uecker erwägt nach dem Vorbild seines Kollegen Baselitz, seine Leihgaben aus deutschen Museen abzuziehen, sollte die Gesetzesinitiative weiter verfolgt werden.

Die Biographie der Ministerin                                                                                              Monika Grütters, geb. 1962 in Münster, 1981 Abitur am Bischöflichen Mädchengymnasium Marienschule in Münster, Germanistik, Kunstgeschichte an der Uni Münster, 1989 Magister Artium. CDU.  Seit 1999 Honorarprofessorin, für Öffentlichkeitsarbeit im Studiengang Kulturmanagement an der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“.  1998 bis 2013 Vorstandssprecherin der Stiftung Brandenburger Tor. (– Das Brandenburger Tor ist astreines deutsches Kulturgut, stilistisch ist es aber römisch-italienisch geklaut. –)  Sie ist Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)

DIE WELT: 15. 07.2015

„Robert Rademacher: Seit Jahren unterstützen meine Frau und ich wichtige Kunstausstellungen in Deutschland, Europa und Amerika mit Leihgaben. Sollte das Kulturgutschutzgesetz in der angekündigten Form in Kraft treten, wäre es mit unserer Bereitschaft vorbei. Ich werde es keinesfalls hinnehmen, dass durch dieses Gesetz mein Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung eingeschränkt wird und ich damit als Besitzer von Kunst auf die gleiche Stufe gestellt werde wie die Besitzer von Rauschgift oder Kriegswaffen. Sollte Alexis Tsipras in die Situation kommen, die Troika durch ein “Kulturgutschutzgesetz” beeindrucken zu müssen, dann wäre er gut beraten, sich an dem Entwurf von Monika Grütters zu orientieren.

Egidio Marzona:  Nationales Kulturgut? Dieses Denken ist mir völlig fremd. Ich bin ja sogar gegen das Prinzip der Länderpavillons auf der Biennale. Das “Kulturgutschutzgesetz” war für mich schon immer völlig absurd, etwa wenn es auf einer Versteigerung hieß, das aufgerufene Manuskript von Walter Benjamin dürfe nicht ausgeführt werden. Aber die Modifikation der Verordnung, die jetzt debattiert wird, ist nun vollends anachronistisch. Die Sanktionen, Kontrollen und Drohungen dahinter erinnern an die DDR – das ist Stoff für eine Satire!  Es ist doch klar, welcher Wahnsinn mit so einem Gesetz losgeht: Die Sammler werden ihre Werke in die Zollfreilager nach Luxemburg und in die Schweiz verschiffen. Das Gesetz ist also eigentlich ein Beschäftigungsprogramm für Kunstspeditionen! Und alles nur, weil in NRW die Warhols versteigert wurden. Ich sammle seit den 1960er Jahren Kunst, aber so ein Denken ist mir bisher nie untergekommen. Das kann man auch nicht mit den Raubzügen des IS begründen: Unsere Museen sind doch voll von Raubgut. Aber wie will man das beweisen? Soll man jetzt die Nofretete zurück nach Ägypten bringen? Da kann ich nur lachen. Vor allem, weil ich als Italiener, der in Berlin lebt, Deutschland andauernd beschenke: Meine Sammlung gehört dem Hamburger Bahnhof, und ich plane, den Staatlichen Museen auch mein riesiges Konvolut an Archivmaterialien zu übergeben. Ich kaufe ständig im Ausland “Kulturgut” ein, von dem ich denke, dass es wichtig wäre, es hier zu zeigen.

Der Sammler hat einen Teil seiner Kollektion von Arte Povera und Konzeptkunst Berlins Nationalgalerie überschrieben

Die Zeit online: am 15.07.2015,

“Das erinnert an die DDR”

Hannes von Goesseln

Ich halte die bisherigen Formulierungen dieses Gesetzentwurfes für eine partielle Enteignung von kulturellem Eigentum privater Sammler. Ich bewerte sie als unnötige Aufhebung meiner verfassungsmäßigen Eigentumsrechte an Kunstwerken, die ich bereits dauerhaft in den öffentlichen Raum gestellt habe.

Ich sammele Kunst seit den 1970er Jahren. Wesentliche Teile meiner Sammlung sind teilweise bereits seit Jahrzehnten als Dauerleihgabe im Besitz deutscher Museen. Sie werden regelmäßig in Museumsausstellungen oder dauerhaft in Museumssammlungen ausgestellt. Dies betrifft unter anderem Arbeiten von Yves Klein, Jasper Johns, Donald Judd oder Duane Hanson. Die betroffenen Museen erhalten regelmäßig Kunstwerke aus meiner Sammlung als Schenkungen. Sollte das Gesetz in diesen Festlegungen in Kraft treten, werde ich die Leihverträge mit deutschen Museen für diejenigen Kunstwerke aus meiner Sammlung, die älter als 45 Jahre sind, kündigen. Ich werde sie aus der BRD abziehen und in ein Land überführen, das Eigentumsrechte respektiert.

Ausreiseverbot und Vermarktungsbeschränkung für „besonders bedeutende“ Nationalkunst. Die Prüfung erfolge nicht willkürlich, sondern unter Hinzuziehung „willkürlicher“ Experten gegen Bezahlung, sowie „willkürlicher“ Gutachter gegen Bezahlung. Jeder weiß, dass die Ergebnisse solcher Prüfungen dem zugunsten sind, der sie bezahlt. Das Vorhaben scheitert schon daran, dass eine demokratische Auswahl von Experten nicht durchführbar ist.  Der Expertise folgt die Gegenexpertise, dem Gutachten das Gegengutachten, sodann die Gegen- Gegenexpertise der Gegenexpertise, das Gegen-Gegengutachten dem Gegengutachten. Wie verstiegen das Vorhaben ist, erkennen wir daran, dass das Gesetz vorsah, Beamten „ein umfassendes Zutrittsrecht zu privaten Sammlungen zu gewähren“. Es entstünde der Typus der „nationalen Kulturwarte mit Pension“ und den unendlichen Folgekosten. Spare man sich das Geld für diesen Verwaltungswahnsinn und bezahle damit den Marktpreis der Werke. Die Rechnung wird aufgehen ohne Wut und Verärgerung bei Sammlern und Künstlern auszulösen, die durch die Anwendung des Gesetzes betrogen würden. Was wäre schon dabei, wenn man auf das eine oder andere Werk verzichten müsste, weil es zu teuer ist. Es kommt der nächste Stifter und spendet gleich zwei Nationalwerke des gleichen Künstlers. Beim Verkauf und Kauf von Kunst herrscht immer schlechte !Stimmung, weil sich meistens einer betrogen fühlt, entweder der Verkäufer, weil er denkt, dass er zu wenig bekommen hat oder der Käufer, weil er denkt, dass er zu viel bezahlt hat, häufig fühlen sich im beschriebenen Sinne beide gleichzeitig übers Ohr gehauen.                                                                                                                                                             -Ich konnte eine farbige Lithographie von Jean Dubuffet für 2.000, dann für 1.500 Mark nicht verkaufen und gab sie zur Versteigerung, wo sie für 800 Mark wegging. Auktionen dauern den ganzen Tag. In der Mittagspause traf in einem benachbarten Lokal beim Mittagessen einen Mann, der erzählte, dass er gerade eine Dubuffet-Lithographie für 800 gekauft habe, für die er 7000 bekäme-.                                                                                                                                                                                                             -Auf einer öffentlichen Versteigerung in Norddeutschland erwarb eine Antiquitätenhändlerin 1986 rechtmäßig und gutgläubig das mittelalterliche Siegel einer großen Stadt, die nicht genannt werden möchte. Sie bezahlte dafür 2.107,80 DM und bot es 1987 auf einer Messe in Köln für 6.800 DM an. Hier wurde jene Stadt darauf aufmerksam und bat um Fotos sowie genauere Angaben zum Gegenstand, denen die Händlerin ein Verkaufsangebot hinzufügte. Die  Interessentin stellte fest, dass es sich um das Original des sog. IV. Stadtsiegels handelte, das schon 1306 zum Besiegeln einer Urkunde verwendet worden und bis 1810 im Gebrauch war, danach im Futteral mit Aufbewahrungstasche des 18. Jhd. neben  anderen Kostbarkeiten im Stadtarchiv geborgen wurde. In den letzten Kriegstagen wurde das Archiv in einem stillgelegten Salzbergwerk in Grasleben ausgelagert und das Siegel dort entwendet. Die Stadt forderte von der Händlerin das Siegel, das sie als ihr Eigentum betrachtete, unentgeltlich zurück. Es folgten Prozesse durch alle Instanzen, in denen das Begehren der Stadt bis zum BGH zurückgewiesen wurde. Das Siegel erhielt nun den Titel „National wertvolles Kulturgut“ und dufte das Land nicht mehr verlassen. Nach Jahrzehnten lieferten es die Eigentümer 2012  wieder zu einer öffentlichen Versteigerung ein. Diesmal wurde die besagte Stadt rechtzeitig aufmerksam und kaufte ihr Siegel für 450.000€ bevor es zur Versteigerung kam.-  Warum nicht gleich so. Das Siegel misst 9-10 cm im Durchmesser.

    

 

                       

                                                                                                                                                           Im Kulturstaatsministerium heißt es, man setze doch nur EU-Vorschriften und den Koalitionsvertrag um, in dem der “Schutz von nationalem Kulturgut vor Abwanderung ins Ausland” stehe. Außerdem befinde sich der Gesetzesentwurf noch in der internen Ressortabstimmung der Bundesregierung und werde erst im August im Bundeskabinett beraten. Länder, kommunale Spitzenverbände, Fachkreise und Verbände könnten dann noch einmal eine Stellungnahme abgeben.

In der Argumentation heißt es, dass in Italien noch viel schärfere Bestimmungen herrschten, die trotzdem 9.000 Ausfuhrgenehmigungen pro Jahr nicht verhindern würden.  Machen wir uns nichts vor, eine italienische Verwaltung funktioniert anders als eine deutsche. In der Schuldenkriese nehmen wir uns Italien auch nicht zum Vorbild. Außerdem war das italienische Gesetz geschaffen worden, in erster Linie die Werke der Antike und der Renaissance in Italien zu behalten, weil man damit um die Touristen und Bildungsreisenden der ganzen Welt wirbt. Längst gibt es heftigen Widerstand gegen das Gesetz, das sich offensichtlich verselbständigt hat und Regelungen schuf, mit denen der Handel und die Eigentümer der Werke nicht mehr einverstanden sind, was zu  Aktionen führt, das Unzumutbare zu umgehen. Brava Italia.                                                                    Man erzählt sich, dass ein internationaler Händler die teuren Werke eines in Italien lebenden amerikanischen Malers als Theaterdekoration exportierte. Gerüchte besagen, dass manche antike Skulptur von TauchTouristen im Auftrag von Händlern aus dem Meer gefischt und ohne Genehmigung in den internationalen Handel verbracht wurde. Vielleicht ist das aber nur ein romantisches Märchen, mit dem vertuscht wird, dass manche dieser Werke von heutigen Fälschern gefertigt werden um das Begehren von kauffreudigen Menschen zu befriedigen. Biedermeier-Bilderrahmen -so eine Story der Händler- würden aus Biedermeier-Betten gemacht, weil die zu kurz seien, um sie zu verkaufen, da die heutigen Riesen da nicht mehr reinpassen. Wer diese hübschen Rahmen kaufen will, soll das tun, aber ein Stück Biedermeier-Bett kauft er damit nicht. Was er kauft, verschweige ich hier. Es ist auch nicht so wichtig, denn die Sehnsucht nach Biedermeier hat sich wieder gelegt.                                                                                                                                                                                      Die Werke der deutschen „Alten Meister“ befinden sich zahlreich in den deutschen Museen, wo sie jährlich nur von einer kleinen Zahl deutscher Bürger besichtigt werden, viele sehen sie nie. So viele „marktfrische Dürer“ sind nicht mehr zu erwarten, dass sie geschützt werden müssten. Man muss sie nicht mal vor dem Ansturm der Besucher schützen, denn während der Woche bleibt die Besucherdecke dünn. Zum Glück kommen die ausländischen Touristen vorbei. Dürer, der deutscheste der deutschen Maler, verehrte und nachahmte die Italiener, reiste seinerzeit nach Italien und erweckte den Eindruck zumindest in Venedig gewesen zu sein, womit er uns wohl belog, denn weiter als bis in die Tiroler Berge ist er als ängstlicher und „fremdenphobischer“ Deutscher vermutlich nicht gekommen, hätte er doch noch Italienisch lernen müssen.

Die Argumentationen um den „Brei der nationalen Identität“ können wir uns schenken, weil sie nicht zeitgemäß ist. Gerhard Richter: “Es ist absurd, überhaupt nationale Grenzen für die Kunst zu ziehen”.                                               Als nationales oGut kann man ein Siegel betrachten, mit dem deutsche Gesetze bestempelt wurden. Aber das ist mehr Handwerk. Kunst strebt immer über die politischen Grenzen hinaus, außer bei den Nazis. Da sollte sie mithelfen die Grenzen des Größenwahns über die ganze Welt auszudehnen. Heute sind wir „Niedermeyer Slow Food“ und „Oxford-Englisch“ ist unser Street Slang. In einer deutschen Fußgängerzone hört  man auf 200 Metern kein deutsches Wort. „After my work I go to  drink 2 beers“.

Scharfe Worte findet Peter Raue:    Es sei “der beispiellose Versuch, dem Staat den Zugriff auf alle jene Arbeiten mit leichter Hand und wenig Geld zu ermöglichen, die er – aus welchen Gründen auch immer – dem öffentlichen Besitz einverleiben will”, schrieb etwa der Berliner Kunstexperte Peter Raue  im “Tagesspiegel”. Das geplante Gesetz lege auch dem Handel in “beängstigender” Weise Ketten an, müssten Auktionshäuser und Galeristen doch Unterlagen über Einlieferer, Prüfung der Herkunft, Käufer und Preise anfertigen. Es schade Deutschland als Kunsthandelsplatz, verunsichere private Sammler und schaffe einen erschreckenden bürokratischen Apparat: “In letzter Konsequenz geht es um Enteignung”, so Raue.

Der Maler Gerhard Richter sieht in der geplanten Verschärfung des Kulturgutschutzgesetzes einen Eingriff in die Freiheit. “Niemand hat das Recht mir vorzuschreiben, was ich mit meinen Bildern mache.”                                                                 Er werde seine Bilder nicht irgendeiner Kommission zeigen und fragen, ob er sie verkaufen dürfe.  “Diese Leute haben meist auch gar keine Ahnung von Kunst”, sagte der teuerste lebende Gegenwartskünstler. Seiner Ansicht nach geraten Bilder nicht in falsche Hände, sondern fänden irgendwann den Weg in ein Museum, wenn sie gut seien.

Berliner Morgenpost 16.07.2015: Als “Kulturvertreibungsgesetz” hat Matthias Döpfner, Springer-Chef und eifriger Sammler, die Novelle bezeichnet. Kunsthändler sehen das Vorhaben als eine “kalte Enteignung”. Georg Baselitz lässt dieser Tage seine Bilder aus den Museen in Dresden und Chemnitz abhängen, sie waren Leihgaben, die bald die interessierte Öffentlichkeit nicht mehr betrachten kann.                     Baselitz’ Entscheidung ist, anders als von Grütters dargestellt, eine rationale Entscheidung und keine Überreaktion. Denn wenn der Staat damit droht, in die Eigentumsrechte des Einzelnen einzugreifen, dann denkt man schon darüber nach, die Flucht zu ergreifen. Daher ist Grütters Entwurf auch nicht eine Angelegenheit, die lediglich in der abgeschirmten Welt der Kunst von Interesse ist.                                                                                                                                                                                                             Zu den Eigentumsrechten gehört auch immer ein Verfügungsrecht: Das heißt, zu dem Recht, dass einem etwas gehört und dieses anerkannt ist, gesellt sich das Recht, dass man die Sache wieder verkaufen kann. Das gilt für das Auto, das Haus und eben auch für das Gemälde. Und wer ein Gemälde erworben hat, der möchte es verkaufen können, wohin er möchte – und nicht nur in den deutschen Gebietsgrenzen.

“Kultur muss vor Marktkräften geschützt werden”            

Die Befürworter der Neuregelung sehen in dem Ausfuhrverbot für national wertvolle Kulturgüter die Chance, wichtige Werke vor immer stärker werdenden Marktkräften abzuschirmen und zu schützen. Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle in Bonn, begrüßt daher im Kunstmagazin “Monopol” das Vorhaben: Kultur sollte öffentlich sein und auf inhaltliche, nicht-finanzielle Werte setzen. “Momentan können öffentliche Museen nicht mehr in großem Stil auf dem Kunstmarkt mitbieten.” Mithilfe der Neufassung des Kulturgutschutzgesetzes könne der Ausverkauf nationalen Kulturguts kontrolliert und eingeschränkt werden.

Man kann in einem Bild Kultur sehen, die vielleicht einen gewissen ideellen Kunstwert hat, der mal so, mal so verstanden wird. Davon spaltet sich frühzeitig der Marktwert ab, der sich rein auf den Gegenstand bezieht, Keilrahmen, Leinwand und die von einer Person mit Markennamen darauf aufgetragene Farbe. Der Preis für diesen Gegenstand, den man besitzen kann, ist in Bewegung. An ihm lässt sich ablesen, wie scharf einige Leute gerade darauf sind, ein Objekt in der Eigenheit eines bestimmten Künstlers zu besitzen. Als Eigentum, ist ihm auch das Recht eigen, es nach Gutdünken zu verkaufen.

Der Kunstmarkt ist freie Marktwirtschaft in Reinform. Wer in der Hochpreisliga mitspielen will, sollte es können und sich nicht über die Regeln beschweren. Ein Träumer, wer glaubt, dass ein Enteignungsgesetz das verhindern kann. Niemand braucht irgendein Bild wirklich. Wenn die Preise zu hoch sind, ist es ein Leichtes auf Künstler auszuweichen, die viel weniger kosten. Deren Zeit kommt auch oder nicht.

FAZ:            Nach Schirrmacher formatiert bei der FAZ wieder der alte Ton.  Sie sieht wenig Grund zur Aufregung und spricht von Geschrei. Aber hier bahnte sich etwas an, das den Geist der DDR wiedererweckte. Dass der Widerstand der Betroffenen losbrach, ist ein Zeichen dafür, dass die freiheitlichen Instinkte noch intakt sind, entsprechend heftig fielen die Reaktionen aus.

Baselitz habe die „Krachmaschine angeworfen“ und es handele sich um einen „Entwurf, der diskutiert werden soll“. Aber wir sehen auch, dass es sich um einen Entwurf im Geist der DDR handelt, weshalb gerade die Künstler Baselitz, Richter, Uecker, die dem Zwangssystem, das die DDR gewesen sein könnte, entflohen sind, auf die Barrikaden gehen. Lassen wir nochmal die Worte Ueckers klingen. „Die kmRegulierungswut, Kulturgut unter staatliche Kontrolle zu bringen, führt jedoch hoffentlich zu einem sich steigernden Intelligenz- und Protestpotenzial in der Bevölkerung. Künstler und Kulturvermittler werden Strategien entwickeln, dem Gesetz entgegenzuwirken.“

Auch Richter äußerte sich alles andere als moderat: “Niemand hat das Recht, mir vorzuschreiben, was ich mit meinen Bildern mache”

Es kann bezweifelt werden, dass ein solches Gesetz notwendig ist. Die Kultur ist kein zartes Lämmchen, das geschützt werden müsste, schon gar nicht durch Raubschutz. Im Gegenteil gedeiht sie am besten, wenn sie Widerstände überwinden muss. Die ganze Kunstgeschichte ist eine Abfolge von Brüchen mit Traditionen und den herrschenden Stilen. In diesem Sinne enthält die Biographie der Ministerin bisher keine Brüche.

Eine jeweilige Nation hat wie alle anderen Personen die Möglichkeit, das, was sie für bedeutsam hält, mit Geld zu erwerben. Sie kann bei der Auswahl ihre Fachleute hinzuziehen. Dann ist das Thema erledigt. Ein Künstler mag selbst entscheiden, ob er seine Werke für nationales oder allgemeines Kulturgut hält.  Den Äußerungen in dieser Diskussion ist zu entnehmen, dass Künstlern und Sammlern die engherzige nationale Perspektive fremd ist.

                           „Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“

(Diese Ausfuhrgenehmigungspflicht eröffne dem Staat lediglich die Möglichkeit, zu prüfen, ob essich……………………)

Jetzt können wir endlich zur nationalen Sache kommen.  Das höchste und zugleich populärste nationale Kulturgut ist der Fußball. An besonderen Aufführungen dieses Kulturschauspiels nehme sogar ich teil, wenn auf der StraßenLeinwand Weltmeisterschaften laufen. Ein Originalspiel in einem Stadion habe ich aus einem sehr einfachen Grund, den jeder, der mich kennt, sofort errät, noch nie gesehen, darum es unterbleiben kann, ihn hier zu nennen. An diesem ganzjährig vielbeachteten Kulturspektakel ließe sich am ehesten ein „Nationales Kulturgutschutzgesetz“ auf seine Tauglichkeit erproben.

Wenden wir hier einen der das Gesetz auslösenden Kernsätze an:  

“Kultur muss vor Marktkräften geschützt werden”.

Da blitzt ein erster Gedanke über den Horizont schwarzer deutscher Nachtwälder. Übertragungsrechte sind nationales Kulturgut und dürfen deshalb nicht verkauft werden. Sie gehören allen Bürgern, nicht den einzelnen Vereinen. Wenn wir sie auf Auktionen meistbietend ins Ausland verkaufen, fließt der Erlös steuerfrei in die Taschen aller Bürger, die weniger als 1.500 € netto im Monat haben. Nationale Übertragungsanstalten zahlen jeweils nur eine niedrige Pauschale in die Taschen derselben Bürgergruppe, die „Unterschicht“ genannt wird. Rund um den Fußball formt  sich der Zusammenhalt und die Identität der gesamten Nation bis in die niederen Schichten. Dafür sollen die politischen Dynastien endlich den Dank zollen. Fußball bildet den Nebel, in dem das Volk unbemerkt in die gesellschaftlichen Veränderungen seiner Versklavung schlittert.

Ich bin Bayernkenner, weiß alle Namen der Spieler mit Herkunft auswendig und mein pegides Gemüt kocht, wenn ich sehe, was da abgeht. Entweder reduzieren wir die Mannschaft auf ihren nationalen bayerischen Kulturkern: Mario Götze (Memmingen), Thomas Müller (Weilheim, Oberbayern), Holger Badstuber (Memmingen), Philipp Lahm (Gern), das ist zu wenig, nehmen wir noch Restdeutsches dazu: Manuel Neuer (Gelsenkirchen), Sebastian Rode (Seeheim-Jugenheim), Sinan Kurt (Mönchengladbach), Joshua Kimmich (Rottweil), Tom Starke (Freital, etwas pegid), Sven Ulreich (Schorndorf), Jan Kirchhoff (Frankfurt a Main), Jérôme Boateng (deutsche Mutter, ghanaischer Vater), Gianluca Gaudino (Hanau, während Vater Maurizio Gaudino für Eintracht Frankfurt spielte, Eltern aus Italien eingewandert), bumms da reicht es schon, und der Torwart, der beste der Welt, ist als erster unter den „nationalen Kulturschutz“ zu stellen, damit unverkäuflich, zack: Menschenhandel unterbunden. Es gilt, ihn vor Marktkräften zu schützen. Die Übrigen können wir höchstens mit „Allgemeines Kulturgut“ betiteln und getrost verkaufen: Arjen Robben (Niederlande), Robert Lewandowski (Polen), Franck Ribéry (Frankreich), Thiago Alcántara (Italien), Medhi Benatia (Courcouronne, aber marokkanischer Herkunft), Xabi Alonso (Spanien), Rafinha (Brasilien), David Alaba (Österreich: Mutter Philippinin, Vater Nigerianer), Juan Bernat (Spanien), Dante Bonfim Costa Santos (Brasilien),  Javi Martnez (Spanien), Douglas Costa (Brasilien), Pierre Emile Højbjerg (Dänemark), Julian Green (Florida, deutsch-amerikanisch), Arturo Vidal (Chile). Diese alle werden vogelfrei den „Marktkräften“ ausgeliefert und spülen eine Menge Geld in die Taschen der Fans aus der Unterschicht. Perfekt, ich bin zufrieden.

 

 

 

 

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Frauenraub und “bonum exemplum”

                                                 

                                                              Frauenraub

 

Jacques-Louis David (1748-1825)
“Le combat des Romains et des Sabines interrompu par les femmes sabines”
1799
Öl auf Leinwand, 385 x 522 cm, Paris, Musée du Louvre

 

Jacques-Louis David hat sich hier eine betörend schöne Komposition ausgedacht, eine Szene wie auf der Bühne oder im Kino. Mit prachtvoll ausgreifendem Einsatz tritt Hersilia, die Frau des Romulus, eine gestohlene Sabinerin, zwischen die Kontrahenten Tatius l., Romulus r. und trennt sie mit ausgebreiteten Armen. Die Dynamik ihres Auftritts entsteht, da sie mit kühnem Schritt aus der Mittelachse des Bildes vorspringt und Einhalt gebietet.

Das Gemälde entstammt der Epoche des Klassizismus, die nach antiken Idealen von Reinheit und Schönheit strebte und uns hier mit kalkulierter Ästhetik eine Allegorie der Besonnenheit, eine Mahnung zu Frieden und Versöhnung zeigt, als Lehrstück unwirklich und schön.

Aber frei von jeder Zeitgewalt, Die Gespielin seliger Naturen                                        Wandelt oben in des Lichtes Fluren, Göttlich unter Göttern, die Gestalt.

Die Vision des Bildes entspringt unmittelbar der Biographie des Malers. David hatte diese Komposition im September 1794 noch im Gefängnis ersonnen und in Skizzen vorbereitete.

Als Abgeordneter des convention nationale und Kumpan Robespierres hatte er 1792 für den Tod des Königs gestimmt. Nachdem der unbelehrbar Blutrünstige selbst unter das rasende Beil der Guillotine geraten war und kopflos endete, entkam David nur knapp dem Todesurteil. Die Amnestie vom 26 Oktober 1795, ferner die Bemühungen seiner Anhänger, Verehrer brachten ihn wieder aus dem Kerker. Das Régime nach 1794 wollte sich von der blutigen Revolutionszeit distanzieren, und so ist auch Davids “Raub der Sabinerinnen”, ganz nach der Stimmung dieser Zeit, ein Plädoyer der Versöhnung.

maintenant que nous sommes liées à eux par des chaînes les plus sacrées, vous venez enlever des femmes à leurs époux et des mères à leurs enfants. Le secours que vous voulez nous donner à présent nous est mille fois plus douloureux que l’abandon où vous nous laissâtes lorsque nous fûmes enlevées (…).”

(Jetzt, wo wir durch die allerheiligsten Ketten an die Römer gebunden sind, kommt ihr, um Frauen ihren Ehemännern zu nehmen, und Mütter ihren Kindern. Die Hilfe, die ihr uns jetzt geben wollt, ist uns tausend mal schmerzhafter als die Verlassenheit, in der ihr uns gelassen habt, als wir geraubt wurden.)

Gerührt von diesen Worten, lassen die Kämpfer ihre Waffen fallen; der Krieg ist abgewendet.

 Mit des Menschen Widerstand verschwindet / Auch des Gottes Majestät.

 

 

 

 

Giambologna,1529 – 1608

Giambologna, Rau der Sabinerinnen, Florenz, Loggia dei Lanzi

Eines der Meisterwerke ist der Raub der Sabinerinnen, eine Skulpturgruppe aus Marmor, die 1585 von dem flämischen Bildhauer, bekannt durch seinen italienischen Namen Giambologna, (eigentlich Jean de Boulogne) erschaffen wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Luca Giordano, 1634-1705,                                                                                                             Luca Giordano, Raub der Sabinerinnen,                                                                            Giordano hat etliche verschiedene Fassungen dieses Motivs hergestellt.

 

 

Raub der dicken Töchter des Leukippos, manchmal mit dem Raub der Sabinerinnen verwechselt.

 

 

 

 

 

Titus Livius datiert die Gründung Roms auf den 21.April 753 v.Ch.

Titus selbst wurde 59 v.Ch. -als Caesar den Gallischen Krieg vorbereitete-, in Patavinus, heutig Padova, ital., Padua, lat. geboren, schrieb also zur Regierungszeit des Augustus, 36 v.-14 n.Ch. Titus Livius verfasste das umfangreiche Geschichtswerk „Ab urbe condita“. Darin erfolgt die mythische Gründung Roms durch die Brüder Romulus und Remus. In diese frühe Zeit fällt der Raub der sabinischen Töchter, den Romulus organisierte um den Fortbestand des jungen Rom durch Nachkommenschaft zu sichern. Für die lange Periode von 700 Jahren ab urbe condita bediente sich Livius der Erzählungen und Berichte seiner Vorgänger, die sich wie er selbst als Schriftsteller verstanden und durch den Vortrag historischer „bona exempla“ die zeitgenössische politische und gesellschaftliche Ideologie propagierten. Für Livius war es die Ideologie der römischen Selbsterneuerung der Regierungszeit des Augustus. Er betrieb also die Propaganda-Agentur des Augustus, was sicher einträglich war.

                          Zwischenspiel und akademische Belehrung                            Historische Beispiele waren bei den Römern ein wichtiges Argumentationsmittel. Solche exempla dienten etwa zur Veranschaulichung von Normen und Verhaltensrichtlinien, zur Untermauerung einer Aussage und als Argument im politischen Diskurs. Wurden hauptsächlich Römer als Beispiel verwendet, zog man manchmal auch prominente auswärtige Personen heran. Am Ende der römischen Republik und zu Beginn des augusteischen Principates taucht der makedonische König Philipp II. als historisches Beispiel auf, an dem nicht nur wie bei gewöhnlichen exempla bestimmte Verhaltensrichtlinien oder Tugenden demonstriert wurden. Vielmehr wird gerade mit diesem Beispiel eine darüber hinausgehende politische Aussage verbunden.

Archäologie fand erste Siedlungen im Gelände der 7 Hügel, mal heißt es im 14., mal im 11. Jahrhundert vor Christ. Diese Siedlungen, heißt es, hätten sich im 8. Jhd. gegen die expansiven etruskischen Könige der Nachbarschaft zusammengeschlossen, um sich zu wehren. Doch im 6. Jhd. gelang den Etruskern die Eroberung der 7 Hügel und der Herrschaft in Form der Monarchie, die sie mitbrachten. Sie nannten die neu gegründete Stadt „Ruma“. 509, endete mit der für alle Zeit tief ins römische Bewusstsein eindringenden Vertreibung des letzten etruskischen Königs Tarquinius Superbus, der “Überhebliche“, die etruskische Zeit. Da steht der lapidare Satz: Das Volk unter Lucius Iunius Brutus vertrieb den König, ausgelöst durch Sextus Tarquinius, Sohn des Königs, der die tugendhafte, keusche Römerin Lucretia geschändet hatte, die ihr Unglück nur noch durch ihrem Selbstmord ertrug.

Hierzu schaue man sich das DürerGemälde „Lucretia“ in der Alten Pinakothek, der deutschen Hauptstadt München an, das einem zeigt, welch trockene Angelegenheit so ein Selbstmord sein kann. Der Topf unter Lucretias Bett ist der Nachttopf des 15. Jhd., nicht das Gefäß, in dem die tugendhafte Selbstmörderin ihr Blut auffangen will.

Dann heißt es: das Volk –wer auch immer das gewesen sein soll- habe die Republik ausgerufen, in der sich 2 patrizische Konsuln in Rechenschaft des Senats die Macht teilten. Die Plebejer (Volk? oder Unterschicht) strebten ebenfalls nach Vertretung in der Führung der Republik und durften nach jahrzehntelangen Kämpfen einen der beiden Konsuln stellen, doch mit Beschränkung seiner Befungisse. Es scheint als habe es eine in 2 Klassen gespaltene Gesellschaft gegeben, zu der noch eine weitere rechtlose, mittellose, versklavte hinzukam. Die Vertreibung der Könige und die Errichtung der Republik blieb so nachhaltig im historisch unbewussten Gedächtnis Roms, dass Caesar, der Jahrhunderte später durch rege Gesetzestätigkeit die Macht auf seine Person konzentrierte, bei den Senatoren den Verdacht weckte, das Königtum anzustreben und folgend in der Verschwörung der Iden des März 44 v. Ch. von einer großen Gruppe Senatoren gemeinschaftlich ermordet wurde. Sie stießen ihm die Stili in den Körper, ihre spitzen kostbaren Schreibgeräte, auch Brutus, Caesars Ziehsohn, war zur Beteiligung an der Tat überredet worden, indem man ihn als Abkömmling des Lucius Iunius Brutus, der den verhassten etruskischen König Tarquinius Superbus aus dem frühen Rom verjagt hatte, in die Pflicht nahm. Schon sterbend auf dem Boden liegend sagte Caesar zu Marcus Iunius Brutus, der über ihm stand:  “Et tu, mi fili?” und Brutus Herz versteinerte.                                                                                                         Atque ita tribus et viginti plagis confossus est uno modo ad primum ictum gemitu sine voce edito, etsi quidam tradiderunt eum Marco Bruto irruenti dixisse: “Et tu, mi fili?”                   

Rom dankte den Rettern der Republik nicht, sondern die kriegstüchtigen Nachfolger (Triumvirat: Marcus Antonius, der sich für den legitimen Erben Caesars hielt, bekam Cleopatra, Octavian, der Adoptivsohn das Geld und Marcus Aemilius Lepidus.) Caesars Günstlinge und Freunde erstellten Proskriptionslisten und begannen die Verschwörer sowie politische Gegner zu verfolgen und zu töten. Cicero, der als Verfechter der alten römischen Tugenden Gegner Caesars geworden war, sich aber nicht an der Verschwörung beteiligt hatte, wurde während der Verfolgung der CaesarMörder ebenfalls getötet. Antonius hielt vor dem stets klugen Volk, die berühmte Hetzrede gegen die Verschwörer, bei der er auch das blutige Gewand des unfreiwillig Verstorbenen zeigte. Als er dem Volk, das Caesar liebte, jedem 300 Sesterze aus dessen Erbe versprach, damit vor Kenntnis des Testaments das Geld ausgab, das er nicht bekam, war die Republik verkauft und der Mob rannte los um all jene Feinde zu erschlagen, die ihm mit ihrer Tat gerade 300 Sesterze zugespült hatten. (Wert des Sesterz: 1 = 1,1 Liter Wein bei Kauf von Kleinstmengen. Ein durchschnittlicher Sklave kostete 2000 Sesterze.)

Nach dem Tyrannenmord und den anschließenden blutigen Kämpfen um die Macht in Rom endete die Republik und Augustus, der sich während der ersten Gefechte bei Philippi noch als kränkelnder Schwächling zeigte, stieg in den dann folgenden politischen Ränken als Sieger hoch hinauf. Der unbedingte Wille zur Republik, der die verhassten Tarquinier verjagt und die Säulen der Größe Roms gebaut hatte, war gebrochen und mit der Machtkonzentration bei einer Person, nenne sie sich auch “primus inter pares” oder preußisch “erster Diener”, begannen die Herrscherkulte.  Caesar, deshalb war die Ahnung der Senatoren richtig, wollte die Republik beseitigen. Doch da hatten die wachsamen Senatoren noch die Kraft und den republikanischen Willen, ihn zu stoppen. Seine Anmaßung kostete ihn das Leben. Nachdem der dictator perpetuus beseitig worden war, hatte er die Grundlagen des römischen Staatswesens auf den Scheiterhaufen mitgenommen, weil sich die Rebellion der Senatoren gegen die Caesarianer nicht durchsetzen konnte. Als die blutigen politischen Säuberungen, die sich blitzschnell in den Straßen Roms ausbreiteten, losgingen, konnten sie nicht schnell genug in entlegene Provinzen des Reiches entkommen. Mit ihnen verließen die starken römischen Tugenden und der republikanische Geist die politische Bühne Roms.

Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus, die führenden Verschwörer, setzten sich aus Italien ab und sammelten im Osten des Reiches Ihre Heere für die Kriege vorauf. In den großen Schlachten bei Philippi in Makedonien fiel die Entscheidung zugunsten der Caesarianer. Rom verlor hier 40.000 Legionäre. Während Octavian in diesen Kämpfen noch eine schlechte Figur abgab, zeigte er in den Kriegen um die Ausschaltung des Sextus Pompeius und des ehemaligen Verbündeten Antonius beachtliches Geschick.

Mit Caesars Adoptivsohn Oktavian (Augustus)begann die Epoche der römischen Kaiser und der schleichende Niedergang Roms. Die „kaiserlichen Schwuchteln“ nannten sich jetzt göttlich, ließen ihr „Pferd im Senat wiehern“ und waren auf pornographische Weise blutrünstig, vom Volk oder -etwas ähnlichem- in der Arena bejubelt. Sie griffen sich die Frauen ihrer Lieblingssenatoren und fickten sie bei den Gelagen zur Freude der Gatten. Ihre Launen machten sie unberechenbar und gefährlich für ihre nächste Umgebung.

Es entwickelte sich jene spätrömisch dekadente Spaßgesellschaft, die einem heutigen Politiker mit guten Geschichtskenntnissen als Vorbild für die Transformation seiner Partei in eine Spaßpartei diente.

Augustus war kein Krieger wie sein Adpotivvater, der fast das ganze Leben im Sattel saß und von Schlacht zu Schlacht eilte, während sein Geschick, Tod oder Leben, Erfolg oder Untergang oft am seidenen Faden hing. Unter hohem Risiko zum Sieg zu gelangen war seine Stärke und machte ihn größenwahnsinnig. Er hatte die größte Ausdehnung des römischen Reiches erkämpft aber mit der Beseitigung der Republik auch seinen schleichenden Untergang eingeleitet. Die Eroberung Germaniens, die noch auf dem römischen Handlungsprogramm stand, hat Augustus erst gar nicht begonnen, sondern begnügte sich mit dem, was ihm zu Füßen gelegt wurde.                                                        Das machte er dann doch ganz gut.                                           Exemplum malum.

                                                                                                                                                                       Der Raub der Sabinerinnen

Das junge Rom war eine starke lokale Macht geworden, von den unmittelbaren Nachbarn mit Respekt und Argwohn beobachtet. Weil der Staat mehr Einwohner brauchte, eröffnete Romulus eine Freistätte, wo Verbannte, Heimatlose und Verfolgte gleich einwanderungswilligen Bürgern Zuflucht fanden. Die Lästerungen der Nachbarn, Rom sei eine Ansammlung von Schurken, Verbrechern und Gesindel machten die Runde. Aber Romulus hatte eine größere Sorge. Ohne reiche Nachkommenschaft, könnte der neue Staat nicht überleben und wäre schon nach einer Generation am Ende. Zunächst schickte er offizielle Gesandtschaften zu den Nachbarn und bat um Erlaubnis, sich durch Heirat mit ihnen zu vermischen. Doch der römische Vorstoß wurde belacht und zurückgewiesen, denn die Nachbarn wollten nicht die Gefährdung ihrer eigenen Staaten durch die Unterstützung des Neulings betreiben. Der Spott versetzte die römische Jugend in Wut und die römischen Absichten neigten sich von der Diplomatie zur Gewalt. Die Römer überspielten ihre Wut und ersannen einen hinterhältigen Plan, sich die Töchter der Sabiner zu holen. Sie bereiteten festliche Spiele zu Ehren Neptuns vor und scheuten keine Mühe, sie so prachtvoll auszustatten, dass die Nachbarn, die mit viel Spektakel dazu eingeladen wurden, nicht widerstehen und ihre Neugier nicht zügeln konnten, am Tage des Festes die Stadt auf den Hügeln zu besuchen und in Augenschein zu nehmen. Es kamen nach Liv. Caeninenser, Crustuminer, Antemnaten und viele Sabiner mit ihren Kindern und Frauen. Höflichkeit und Gastrecht geboten ihnen, die Waffen zu Hause zu lassen. Ein schwerer Fehler, wie sich bald zeigte. Auf ein vereinbartes Zeichen rannte die römische Jugend los, entriss die jungen Frauen den Familien der Gäste und brachte sie in die Häuser ihrer eigenen Klans. Die Spiele Neptuns endeten im Chaos und die beleidigten, empörten Eltern der geraubten Töchter flohen entsetzt unter bösen Beschuldigungen und Racheschwüren. Aber Romulus selbst ging herum und erklärte entschuldigend, dass dies nur geschehen sei, weil der Hochmut der Väter ihnen den Ehebund mit ihren Töchtern verwehrt hätte, dass ihre Töchter in Ehren geehelicht und mit ihren Kindern in alle Bürgerrechte der Stadtzugehörigkeit und Besitzansprüche eingesetzt würden. Sie möchten deshalb ihren Zorn wieder besänftigen.                                                                                                                     Bald nahmen die Geraubten ihre römischen Ehemänner an, versöhnten sich mit ihrem Schicksal und liebten ihre Kinder.

Die Sabiner und ihre Nachbarn rüsteten zum Krieg. Ihr Heer unter dem Sabiner König Titus Tatius erschien vor den Mauern Roms. Im Tal am Fuße des kapitolinischen Hügels trafen die Kontrahenten aufeinander und die Schlacht begann, als sich plötzlich die Ehefrauen der Römer, die geraubten Sabinerinnen, mit ihren Kindern zwischen die Kämpfenden drängten und sie aufforderten, die Waffen niederzulegen, damit nicht Schwiegerväter und Brüder gegen Schwiegersöhne kämpften und sich töteten. Längst sind wir in Familienbande verstrickt und miteinander verbunden. Tötet besser uns und unsere Kinder, die wir der Grund für diesen Krieg sind. Da brach der Kampf ab, Sabiner und Römer versöhnten sich und verschmolzen zu einem Volk, das von zwei Königen, Tatius und Romulus regiert wurde. Rom vergrößerte sein Gebiet und seine Macht und begann sich in Italien auszubreiten.

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diesseitsvonjenseits

diesseitsvonjenseits

am Dienstag, dem 24.3.15, einen Tag nachdem XY aus Madrid kommend in Frankfurt sicher gelandet war, fliegt Gwings von Düsseldorf nach Barcelona und nach kurzer Pause mit Verspätung wieder zurück.

Zum Boarding steht die CockpitTür offen und beide Piloten begrüßen entspannt die Reisenden bevor diese in den Rumpf des Flugzeugs einschwenken und ihre Plätze beziehen, darunter eine Gruppe munter fröhlicher Schüler. Der Copilot, der selbst noch nichts von dem Dämon ahnt, der ihn besetzen wird, betrachtet den Einzug mit freundlichem Lächeln. Später wird er sich daran nicht mehr erinnern und das Mienenspiel der Gesichter völlig vergessen haben. Das Wetter stellt einen leichten, stabilen Flug in Aussicht.                                                                                                                                                                             Das Flugzeug, ein gut 20 Jahre alter A 320 startet um 10:00 in Barcelona, überfliegt in einem Bogen das Dreieck des Mittelmeers zwischen Spanien und Frankreich, die Bucht von Girona über Montpellier, Marseille bis Toulon und  steuert nun Richtung Norden auf die französisschen Alpen zu. Die Besatzung eines Flugzeugs besteht aus zwei Piloten und 3-4 Personen -hier 4-, die den Dienst zwischen den Sitzreihen der Passagiere innehaben, allgemein eine «Crew» genannt. Die Piloten, Pilot und Copilot, steuern die Maschine auf der festgeschriebenen Route, dem Flugkorridor, der nach Flughöhen gestaffelt ist. Die Maschine nach Düsseldorf fliegt auf etwa 11 km Höhe. Die beiden Piloten haben ihre CheckListe abgearbeitet und der Kapitän, mit 6000 Flugstunden ein alter Hase, übergibt dem jungen Copiloten die Herrschaft, während er selbst für kurze Zeit die Kabine verlässt. Klack fällt die Kabinentür ins Schloss und der «Hexenmeister» ist ausgesperrt. Klick macht es im Gehirn des Copiloten. In sekundenschnelle rauschen alle Fakten durch seinen Kopf. Er sitzt in einem Tresor mit allen Instrumenten und Schaltern als alleiniger Inhaber der Macht über das gesamte Flugzeug mit 149 Menschen jeden Alters. Sein Herz gefriert zu Eis als er spürt wie das Gefühl der Macht über der anderen Ohnmacht sich wie eine Droge in ihm ausbreitet, sich all seiner Sinne bemächtigt und ihn überwältigt. Herr über Leben und Tod! Er verriegelt die Tür. Es ist ein schöner Tag, kaum eine Wolke am Himmel und die Sonne in Ost hat noch nicht den Zenit erreicht. Vor ihm das mächtige französische Alpenmassiv. Das Meer hatte noch wunderschön glitzernd unter ihnen gelegen. Oft hatte er seine schräge, abseitige Vision im Kopf schon durchgesponnen, im Cockpit sowie in seiner Freizeit, aber nie war er an dem Punkt, sie wirklich durchzuführen, obwohl es immer wieder Gelegenheiten gegeben hatte, bei denen er für kurze Zeit allein in dieser Schaltzentrale saß. Nie hatte sich in seinem  Kopf die Idee durchgesetzt, die Panzertür zu verriegeln, sondern er hatte mit bravem Anstand auf das Klingeln reagiert und wieder geöffnet. Immer hatte es Dinge gegeben, die ihn störten, das schlechte Wetter, das schöne Wetter, eine angenehme Unterhaltung im Cockpit, die er fortsetzen wollte, die Sympathie für eine Flugbegleiterin, kleine Dinge, die seine bizarre Vision von einer unvorstellbaren, alles erschütternden Tat von ihm fernhielten und ihn davor bewahrten, die Grenze zum Irrsinn zu überschreiten; eine mächtige Hemmung gar hielt ihn zurück, wenn er an die Menschen hinten im Flugzeug dachte. Heute gab es diese nicht. Diesmal hatte es eingerastet. Der Zufall verführte ihn mit so idealen Bedingungen, dass er erlag.                                                         Er lehnt sich entspannt zurück, ist ganz ruhig als er durchspielt, was jetzt zu tun sei, während  das Flugzeug der Landschaft entgegensteuert, die er seit Kindheit kennt.  Der Rausch hat sich seiner bemächtigt, er ist in die Trance der Allmacht getreten, die ihm erlaubt sich über alle Regeln hinwegzusetzen. Er spürt, dass er verrückt geworden ist. Noch eh er sich selbst Rechenschaft darüber gibt, hat er den Drehknopf des Höhenreglers auf 2000 m heruntergedreht, da er geradewegs in die heranrückendenden Berge rast. Das Klopfen an der Tür stört ihn nicht, auch nicht als es stärker wird und man versucht die Tür mit Axtschlägen aufzubrechen. Er vergewissert sich, dass die Verriegelung eingeschaltet ist. Die Panzerung ist gut, der Kommandoraum bleibt unzugänglich, wenn er es will und draußen verzweifeln sie. Ständig kommen jetzt lästige Funkrufe, die er beantworten sollte. Das unterläßt er, schaltet den Funk aber nicht ab, als die dort nervös werden. Eigentlich hat er mit seinem Leben nicht abgeschlossen und Pläne mit schicken Autos, Sport, Konzertbesuchen, Wanderungen durch die Alpen, den Jakobusweg nach Santiago de Compostella gehen, doch das Eis in ihm schmilzt nicht mehr. Er ist bereits hinübergetreten. Zwei Minuten seines Rausches bleiben ihm noch. Die Berge da unten sind ihm vertraut, seit er dort mit den Eltern urlaubte, die Sportflieger waren und während mehrerer Jahre mit ihm hierher reisten, um über dieser Landschaft zu fliegen. Damals flog er noch nicht selbst. Die Idee, das Flugzeug noch in letzter Sekunde hochzuziehen, was gelänge, wenn es sehr steil stiege, zerfällt ihm wie ein elektronisches Bild. Im Cockpit beginnt ein Konzert der Warnsignale, er hört wilde Schläge gegen die Tür krachen und endlich das verzweifelte Schreien der Opfer, die er hinters Licht geführt hat, ahnungslos, wem sie sich ausgeliefert haben, hatte zu Beginn des Fluges nicht einmal er gewusst, dass er heute noch vor Mittag das Opfer seiner selbst werde. Sein Name wird unsterblich sein. Hier sei er nicht genannt. Nach dem Horizont kann man schon greifen, als die CockpitTür doch noch aufspringt aber die Sonne schon schwarz wird und die Schreie an den Felsen zerschellen. Totenstille zieht in die Einsamkeit der Berge, Trümmerteile rutschen über die Felsen herab.

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Die Schlange Ebola

Die Schlange Ebola windet sich unaufhaltsam, heimtückisch mordend  durch die Länder Guinea, Sierra Leone und Liberia, wo sie auf unsichtbaren Wegen ihre Opfer findet und sich erst zeigt, wenn bei den tödlich Infizierten die Krankheit ausbricht.

Im Nachbarland Senegal hat sie sich bereits als dunkle Bedrohung eingenistet. Niemand kann vorhersagen, wo sie erscheint.

Am 10. Juni reiste ein junger Mann von 23 Jahren aus Dien-dien in Guinea in öffentlichen Transitverkehrsmitteln über 850 Kilometer Landstraßen nach Colobane in Senegal, wo er am 11. Juni  mit  40° Fieber, blutigem Erbrechen, blutigem Stuhlgang EbolaSymtome offenbarte, mit denen er ins Gesundheitszentrum der Stadt eingestellt, unter Anwendung der in einem  solchen Fall gebotenen Präventionen isoliert, untersucht und zum Entsetzen des Patienten selbst, der sich dadurch erst recht ausgestoßen und todgeweiht fühlte, von Medizinern in speziellen Schutzanzügen wie Außerirdische aussehend, behandelt wurde. Das Haus, in dem er wohnte als das Fieber ausbrach, sowie alle Räume, die er betreten hatte, wurden desinfiziert, eine Blutprobe entnommen und nach Dakar ins Institut Pasteur geschickt, wo die Untersuchung bis zum 12. Juni abends einen negativen Befund ergab. Entwarnung also. Kein Fall von Ebola in Senegal. „Wir sind noch einmal davongekommen“. Kaum auszudenken, welche Maßnahmen hätten stattfinden müssen, wenn der Befund auf EbolaVirus gelautet hätte.                                                                                                              Der klinische Verlauf der mysteriösen  Krankheit  des jungen Mannes entwickle sich stabil, womit die Ärzte im Moment zufrieden seien, der Patient befände sich nicht in Lebensgefahr,  hieß es in Verlautbarungen des behandelnden Personals.                                  Wenn er nun kein EbolaVirus hat, fragen wir Neugierige uns, welche unheimliche Krankheit ihn denn befallen haben könnte, die zu solchen Symptomen führte. Noch gab es zu einer diesbezüglichen Diagnose keine offiziellen Stellungnahmen, aber die epidemiologische Überwachung löste Alarm aus, der nochmals die Aufrufe in Medien und Schulen zu größter Wachsamkeit, zu persönlicher und kollektiver Hygiene wiederholte und verstärkte.                                                                                                                                  Dieser Fall demonstriert die ganze Tragödie bei der Bekämpfung des Virus. Die Unterbrechung der Infektionsketten in den verschiedenen Orten erscheint wegen der langen Inkubationszeit von 2 bis 21 Tagen aussichtslos.                                                           Wie soll man die Inkubanten, diese schnellen oder langsamen Brüter herausfischen, die das tödliche Virus schon in sich haben, ohne dass nach 2 bis 20  Tagen schon erkennbare Symptome der Krankheit aufgetreten wären, die sie tagelang bis zum ihrem finalen Ausbruch unkontrollierbar verbreiten können. Die bereits todgeweihten Inkubanten sind der Kopf der Schlage Ebola und zugleich ihr Opfer. Mit jeder Infektion wird ein neues „ Monster“  geboren, das in diesem Moment zugleich zum Opfer bestimmt ist.

Es heißt, dass die Weitergabe des Virus erst dann erfolgen kann, wenn sich bei Infizierten erste leichte Syptome zeigen. Ist das sicher oder eher Hoffnung als Wissen. Wie sehen diese Symptome aus: eine leichte Müdigkeit, eine unscheinbare kleine Grippe etwa, diffuses Unwohlsein, vielleicht ein paar Tage lang anhaltend, in denen das Virus weitergegeben wird, weil noch niemand die unscheinbaren Vorboten einer tödlichen Erkrankung wahrnimmt außer dem Betroffenen selbst, der sie aber falsch deutet, weil er ihre Ursache noch nicht kennt.                                                                                                      Mit Leichtigkeit hat Ebola den Sprung nach Nigeria geschafft. Es hat einfach einen Flug gebucht.

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Himmel und Erde

 

                                            (Nigeria am 25.06.2014)

In Borno drückt der Himmel auf die Erde. Während einer Serie von Angriffen, die fast 4  Tage dauerten,  hat Boko Haram im Nordosten Nigerias,  Provinz Borno, mehr als 30 Menschen getötet und mehr als 60 Frauen und Mädchen entführt.                                                                                                                                                                    Dies ereignete sich während der letzten Woche in dem Dorf Kummabza nahe Damboa.

Das Hauptquartier der nationalen Verteidigung hat mitgeteilt, dass es zahlreiche Berichte dazu überprüft. Der Armeesprecher Chris Olukolade konnte nicht erreicht werden-.

Nach Angaben eines Zuständigen aus Damboa, der gebeten hat anonym zu bleiben, wurden mehr als 60 Frauen und Mädchen gewaltsam entführt. Modu Mustafa, Mitglied des lokalen Rates, hat die Berichte über die Morde und  Entführungen weder bestätig noch zurückgewiesen.

Aji Khalil, Chef einer lokalen Miliz, hat seinerseits zugegeben, dass mehr als 60 Frauen durch Boko Haram verschleppt wurden.                           

Ein Mann, der sich in die Provinzhauptstadt Maiduguri retten konnte und anonym bleiben will, sprach von über 30 Getöteten in Kummabza, dem Dorf, dessen Bewohner sich nach Erzählung desselben Mannes drei Tage lang alle als Geiseln in den Händen der Angreifer befanden.

Sonntag 29.06.2014 in der Region Chibok                                                      Jüngster Angriff der Boko Haram erfolgte am Sonntag, 29.06.2014, in der Region um Chibok und kostete mehr als 50 Menschen das Leben.

Kano, Provinz Borno: Nach Auskunft eines Beamten, der anonym bleiben will, gab es 54 Tote durch Angriffe in 4 Dörfern rund um Chibok, wo am 14 April 276 Schülerinnen entführt worden waren, von denen einige entkommen konnten, während es keine Nachrichten von weiterhin verschwundenen 219 gibt.

Laut Zeugen kamen die Angreifer am Sonntag auf Motorrädern und warfen während des Gottesdienstes Bomben in die besetzten Kirchen der Dörfer Kwada, Ngurojina, Karagau und Kautikari. Ein Beamter in Chibok, der ebenfalls anonym bleiben will, sagte, dass Bewohner 47 Leichen im Busch gefunden hätten, die Nachforschungen seien nicht abgeschlossen und die Bilanz offen.

Mike Omeri, Sprecher der (Bundesregierung) bestätigtete, dass eine Reihe Menschen getötet wurde, aber der offizielle Bericht der lokalen Behörden noch nicht vorliege.

Auf Vorwürfe, dass die Armee trotz Hilferufen nicht anwesend war, erklärte er, er habe sichere Informationen, dass Bodentruppen und Luftwaffe am Tatort waren, aber etwas zu spät ankamen.

Der anonyme Beamte aus Chibok äußerte, dass die Armee nicht einmal versucht habe, die Orte des Geschehens zu erreichen. Die Behauptung, sie wäre dort gewesen, sei eine Lüge.

In der Provinz Borno hat die islamistische Erhebung vor 5 Jahren begonnen und seitdem

sind dort mehr als 2500 Menschen umgekommen. Die Dörfer, die Ziel der Angriffe vom Sonntag waren, liegen alle im Radius von 10 Kilometern um Chibok.

Der Terror zielt ins Herz Nigerias.

Berichte vom 27. Und 28. Juni 2014, Attaque am 26.06.2014

Der Terror ist dabei die abgelegene Region Bornos zu überwinden und zieht in die Städte. Längst entsteht eine weitere Front im Zentrum Nigerias, der Hauptstadt Abuja, wo er empfindlicher wahrgenommen wird.                                                                                         Mitten in der nigerianischen Hauptstadt Abuja explodierte eine Bombe und tötete 21 Personen. Das Ereignis stellte wieder einmal die Frage nach der begrenzten Fähigkeit der Behörden gegen bewaffnete Islamisten der Boko Haram anzukommen.                          Dutzende Militärs und Polizisten hatten die Gegend um den Tatort in der Haupteinkaufsstraße großräumig abgeriegelt. Die Händler konnten nicht mehr zu ihren Läden.                                                                                                                                                   Die Bombe war in der Nähe eines Eingangs zum EMAB-Plaza Einkaufszentrums, in die Luft gegangen, einer der beliebtesten Straßen im zentralen Stadtteil von Abuja, nahe dem Regierungssitz. Es gab außerdem 17 Verletzte, darunter Taxifahrer und Straßenhändler, die dort parken.                                                                                                                                    Es war der 3te Angriff in 3 Monaten, diesmal im Zentrum, wo sich größere Hotels, Büros ausländischer Firmen befinden und die Gegend seit dem Angriff auf das UN-Hauptquartier 2011 verstärkt bewacht wird. Angst und Panik wächst unter den Händlern und den Bewohnern der Umgebung.                                                                                                            Nach Nnamdi Obasi, verantwortlich  für die Sicherheit ausländischer Firmen und nigerianischer Spezialist des Krisenstabs,  zeigt das Ereignis in dieser beliebten Gegend, dass die ganze Umgebung gefährdet ist. Boko Haram hatte sich noch nicht zu diesem Anschlag bekannt, wird aber verdächtigt.

Die Entführung von mehr als 200 Schülerinnen im April hatte internationale Empörung ausgelöst.                                                                                                                         Anschließend hatten im Abstand von nur 15 Tagen im April und Mai 2 Anschläge an der Bushaltestelle Nyanya stattgefunden, die nicht sehr weit vom jetzigen Anschlagsort entfernt liegt. Die Behörden hatten danach versprochen, für mehr Sicherheit in den gefährdeten Vierteln zu sorgen.

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Ebola erstmals in Westafrika

La fièvre Ebola fait 104 décès sur 164 cas recensés en Guinée

Vor mehr als 5 Monaten brach Ebola in Guinea aus. Es waren die ersten Infektionen in Westafrika. Weitere Fälle wurden in Liberia und Sierra Leone registriert. Übertragungen erfolgen durch Körperkontakt mit lebenden und toten Infizierten.  Die Inkubationszeit variiert zwischen 2 und 21 Tagen. Der Erregertyp ist der ZEBOV. Seitdem wurden in Guinea 499 Kontakte mit dem Virus registriert:  91 in Télimélé, 279 in Guéckedou, 129 in Macenta.

Von 164 registrierten Infizierten im ganzen Land starben bisher 104. (laut Gesundheitsministeriums). Das sind 63,4%.

In der Zeit vom 16 bis 26 Mai 2014 gab es 13 Neuinfektionen. 5 davon in Macenta, 3 in Guéckedou (Waldgebiet),  1 in Télimélé, 1 in Conakry, 3 in Boffa. Damit hat sich das Virus weiter ausgebreitet und ist in die Küstenregion übergesprungen. (Boffa, Conakry)

Allerdings stehen neben diesen 13 noch 3 weitere Verdachtfälle unter Qurantäne. 10 davon in Guéckedou , 3 in Télimélé und   3 in Boffa. Laut der Abteilung für Prävention konnte die Übertragungskette zu den Neuinfizierten rekonstruiert werden.

Die Nachbarländer haben die Grenzen schon vor Monaten dicht gemacht.

Ebola zeigte sich 1976 zum ersten Mal in Zaire, das heute Demokratische Republik Kongo heißt. Bis 2012 lag das Kerngebiet für Ebola in Zentralafrika.

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Im Revier der Guadalquivir

 

 

Ein Kuss muss sitzen.

Ämter – Finanzen – GeldLäden.

In einer Hand ein Brief von einem F…amt,

in einer Hand etwas zum Lesen:

Irgendein deutscher Geldladen hat bei der Manipulation des Libor (Zinssatz für den Geldhandel unter Banken)                                                                                                       mitgespielt und damit allein 2008 runde 80.000.000€ verdient.   Zu Untersuchungen der BaFin in diesem Geldladen heißt es.

„Sie (das sind irgendwelche Typen in diesem Laden) können sich damit trösten, dass offenbar auch in der Bundesregierung die Sorge um das letzte deutsche Geldhaus (gemeint ist der Geldladen) von Weltrang mittlerweile größer ist als der Wunsch, das Management für die Sünden der Vergangenheit zur Rechenschaft zu ziehen. In Berliner Kreisen heißt es, das Finanzministerium wolle die Finanzaufsicht BaFin bremsen, damit die in der LiborAffäre nicht allzu streng mit demVorstand umspringe.“

 Nach ein-zwei weiteren schrägen Histörchen um 1.000.000.000 heißt es dann.                   „Zuletzt stiegen vor allem die Vorstandsgehälter. – Aus einem institutionellen Investor bricht es förmlich heraus, wenn man ihn fragt wie seine Bilanz nach 2 Jahren  X…/Y… (hier stehen 2 unleserliche Namen) ist: -Die Kochefs verdienen (verdienen die oder greifen die in die Kasse)zusammen mehr als VW-Chef Martin Winterkorn- echauffiert sich der Geldmanager. Der aber liefere 10.000.000.000€ Gewinn ab, während die Deutsche Bank ihre Ziele verfehle. Wir sind vor allem deshalb kein Aktionär der Deutschen Bank mehr“

Sie wollen von mir 10€ für eine Sache, die mit 189,47€ längst erledigt ist. Der Verwaltungsaufwand beläuft sich auf ein Vielfaches. Sie bekommen Ihre Zeit bezahlt, aber ich bezahle mit meiner Lebenszeit.                    Die paar Monate, die ich diesen „blöden Marokkaner“, der auch noch Deutscher werden will –er kann meinen Pass haben und den er hat behalten, beschäftigte, haben mir augenöffnende Einsichten in  hirnverdrehte gesellschaftliche deutsche Zusammenhänge beschert. Da bekommen Leute für einen Monat Arbeit sowenig Geld, dass sie davon kaum leben können und Miete bezahlen. Davon wird dann noch ein unglaublicher Prozentsatz für andere abgezogen.                                                                     Ich sehe das moralisch.                                                                                                                Ich habe diesen Abzügen, wo nichts mehr abzuziehen ist, ein Ende gemacht. Ich lasse mich nicht in die Knechtung von Mitbürgern durch ein willfähriges, selbstsüchtiges, neofeudales System einspannen. Was gibt es an China zu bemäkeln, das wir hier nicht längst hätten. Am Ende stünde ich noch vor dem Gerichtshof in DenHaag wegen  Verbrechens gegen die Menschlichkeit.

Unter welchen demokratischen Hut sollen die schmuddeligen Vorgänge aus zwei Welten in einem Land passen. Ich kann es Ihnen sagen, unter gar keinen. Am Ende steht noch Gefängnis für eine konstruierte Verfehlung von null€ auf der einen Seite und ein Bonus von 3,6 Millionen für die Leistung einer MilliardenVergeigung auf der anderen.

Demokratie ist ein schwaches Leuchten aus einer fernen galaktischen Zeit als noch 2 Sonnen den Planeten beleuchteten, auf dem es niemals Nacht wurde, man am Tage schlief, am Tage arbeitete.  Jetzt und hier herrscht ein Feudalsystem mit allen bekannten Repressionsformen unter Einspannung der Bevölkerung in ihre eigene Unterdrückung.

Aldi hat mehr für den sozialen Ausgleich getan als die Regierungen der letzten 30 Jahre.        Aldi ist die überzeugendste politische Kraft im Lande, eine Superpartei, die man nicht wählen darf.

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Aufgespürt und abgeführt

 

nsa-terroristin, als drogistin getarnt, erwischt.

    im mai in mStadt


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Wie kommt man nach Hermeskeil, (Teil 1)

Wie kommt man nach Hermeskeil?  Gar nicht. Wer wollte schon nach Hermeskeil?

Ansonsten mit demFlugzeug. Man fliegt preiswert nach Hahn, steigt aus und geht noch ein paar Schritte durch ein Waldgebiet, passiert unerwartete Dörfer, läuft über Felder, begegnet Hirsch und Wildschwein, dem Luchs und dem Wolf, man grüßt Fuchs und Hase, das Reh. Dann ist man da und enttäuscht.

Die Mythe erzählt, dass Hermes, der Götterbote von seinem Chef zu den keltischen Treverern geschickt wurde um ihnen zu befehlen, sich den Römern zu unterwerfen.

Hier muss die Mythe zugunsten des Geschichtsberichtes unterbrochen werden, der zu ihrem Verständnis nötig ist.                                                                                                                                                                                                                Das keltische und damit auch gallische Volk der Treverer lebte linksrheinisch im Gebiet des Hunsrück und der Eifel. Wohlwollend  waren die Verbindungen zu den keltischen Eburonen, mit den Doppelkönigen  Ambiorix und Catuvolcus, die Gebiete der Eifel , die Ardennen und Belgien bewohnten. Zu den Germanen auf der anderen Seite des Rheins, pflegten sie vertrauliche Beziehungen. Sie erhoben sogar –nach Tacitus- ehrgeizig Anspruch darauf, germanischer Herkunft zu sein um sich von den „ gemütlichen“ Galliern zu unterscheiden. Sie fühlten sich gerade noch den Bewohnern eines entlegenen gallischen Dorfes in der Bretagne verbunden, die sich um den Krieger Asterix versammelten und von den Römern bis heute nicht unterworfen werden konnten. Die Treverer lebten zur Zeit des Gallischen Krieges wie die Eburonen unter konkurrierender Doppelherrschaft der Fürsten Cingetorix, eines GallicoTreverers aus Weichholz, der sich im gallischen Krieg gerne auf die Seite Caesars stellte, und Indutiomarus, eines aus Stein gemeißelten GermanicoTreverers, freiheitsliebend und kriegerischer Gesinnung, Schwiegervater des anderen, aber die römischen Wichtigmänner hassend. Er dachte nicht daran, sich Rom zu unterwerfen. Der große Caesar, der mit 4 Legionen und 800 Reitern in das Gebiet der Treverer gezogen war, ging das Problem politisch an und machte Cingetorix zum 1-ten Fürsten der Treverer, eine Kränkung für den anderen, der sich im Winter 54-53 vor Christ auf den Weg machte, um den Widerstand gegen Rom anzufachen.  -Was heißt schon Winter. Bis vor kurzem war in dieser Gegend immer Winter.-    Gesattelte Jahre verlangte das Land.  Rom hatte Respekt vor den treverensischen ReiterKriegern. Indutiomarus schaffte es Ambiorix und Catuvolcus, denen die Aktivitäten Caesars auch nicht gefielen, für einen Aufstand gegen die Römer zu gewinnen: Eburonen unter Ambiorix erschlugen 15 römische Kohorten (1,5 Legionen oder etwa 10.000 Legionäre) in Atuatuca -ardennisches Gebiet zwischen Rhein und Maas – heutig Eschweiler, Caesars größte Niederlage im BelloGallico. Es war im Grunde die Modellschlacht für den Teutoburger Wald, wo 9 nach Christ die römischen Ambitionen auf Germanien in den sumpfigen Böden, Regen und Nebel durchtränkter germanischer Urwälder für immer versanken.

So ein Ereignis beflügelt den Mut auf der einen, die Neuordnung des Kampfgeistes auf der anderen Seite. Weitere Krieger, gallische sowie germanische, schlossen sich Indutiomarus an. Berittene Delegationen kreuzten zwischen den Stämmen der Allianz. Die Macht konzentrierte sich wieder bei ihm. Den Schwiegersohn Cingetorix  erklärte er zum Feind des eigenen Stammes,  beschlagnahmte seine Güter und seine Kunstsammlung und begann das Winterlagers Titus Labienus, wohin sich Cingetorix  gerettet hatte, zu umzingeln. Eburonen und andere Stämme griffen das Winterlager Quintus Tullius Cicero, an, welcher der jüngere Bruder des römisch berühmten Schriftstellers Marcus Tullius Cicero war. Caesar besiegte die eburonischen Belagerer, worauf Indutiomarus erst mal die Belagerung des Labienus abbrach, weitere Unterstützung sammelte, dann den „Landtag“ anordnete, was die Eröffnung eines Krieges bedeutete und zum Angriff  auf Labienus Lager zurückkehrte, erlebte aber ein Desaster und seinen Tod entweder durch römische Leginäre oder treverensische Söldner aus dem Umfeld des Cingetorix. Vermutlich hatten terverensische und gallische ReiterSöldner, die Labienus mit Hilfe Cingetorix gekauft hatte, die Schlacht entschieden, indem sie zu einem kritischen Zeitpunkt den Ausfall aus dem Lager wagten . Es war das Jahre 53 vor Christ. Wir beobachten die römische Kampftaktik, die gezielt darauf aus war, Führer der Gegner zu töten, um den Kampf zu beenden. So wurde der Widerstand der Eburonen und jetzt der Treverer gebrochen. Es ist die Lehre aus den Schlachten Alexanders gegen Darius.                                                                                          

Fälschung. Es gibt keine Fotos der Burg von Indutiomarus


                                                                                                                        Dieses Foto ist eine der billigen Fälschungen.                                                                                                                                                   Ich kenne diesen Ort. Er sieht nicht so. Es gibt dort keine einzige Fichte. Der Baumbestand besteht aus 2000 Jahre alten Baumarten, die heute nicht mehr sind, härter als jede Eiche und schwer wie Eisen, dass sich unter ihrer Last die Erde biegt. Alle sind über 100m bis 200m hoch. Deswegen kann man einen Blick wie hier niemals erlangen. Dazu müsste man einen der höchsten Bäume besteigen, was man nicht tun sollte, weil in ihnen die alten keltischen Götter wohnen, die jeden vernichten, der das wagt. Außerdem steigen über den uralten Wäldern unablässig undurchdringliche Nebel auf, die jede Orientierung verhindern.                                               

In den Wäldern von Otzenhausen, nahe Hermeskeil, liegt noch heute der 2,5 km lange Ringwall aus schweren Steinen, der die Ringmauer einer keltischen Fliehburg bildete. Die HolzBalkenKonstruktion, mit deren Hilfe die Steine zu einer senkrechten Mauer aufgeschichtet waren, ist natürlich zusammengebrochen, aber der Steinwall umringt nach 2100 Jahren immer noch das komplette Burgplateau, versteckt in den undurchdringlichen Urwäldern des Hunsrück, in denen sich schon mancher verirrt hat und nicht mehr zurückkehrte. Wer den Wall besichtigen will, muss sich des Geheimwissens eines Einheimischen bedienen um hin und zurück zu finden. Von diesem Wall existieren keine Fotos. Wer dort ein Foto macht, kehrt nicht mehr zurück. Es kursieren angebliche Fotos der Burg, aber sie sind allesamt Fälschungen. Die mächtigen keltischen Götter und der Geist des Indutiomarus hüten das Geheimnis um diese Burg. Sie soll Indutiomarus Burg gewesen sein, da sie nach der Niederlage gegen Titus Labienus verlassen wurde. Dessen damaliges Lager wird nur einige Kilometer entfernt auf den Feldern von Hermeskeil vermutet. Der Fund dieses großen römischen Militärlagers ist neuen Datums (2010-11), es ist das älteste in Deutschland, noch vor dem Petrisberg bei Trier entstanden, aus der Zeit des gallischen Krieges. Es soll das Lager des Titus Labienus gewesen sein, von dem aus der Widerstand der Treverer zunächst gebrochen wurde. Nach der Niederlage und Tötung des Indutiomarus hatten die Römer eine Weile Ruhe vor den Treverern. Das Lager Petrisberg entstand 30 vor Christ, als  erneut Widerstand aufflammte.  Als Indutiomarus gefallen war, kehrte Cingetorix als römischer Günstling wieder in seine Rolle als erster TrevererFürst zurück, erscheint aber nicht mehr in Quellen und Funden. Hoffenlich wurde er vergiftet.

Zurück zur Mythe. Da kam also dieser Hermes alias Mecurius im Autrag seines Chefs, des Zeus, alias Jupiter Optimus Maximus, um den Treverern zu befehlen sich Rom zu unterwerfen. Bei Cingetorix fand er Gehör. Der sagte ja und handelte danach. Er kam zu Indutiomarus. Der sagte auch ja, dachte aber: was will dieses Factotum (Mädchen für alles in gehobener Vertrauensstellung) von einem griechisch-römischen Gott, der über mich keine Macht hat. Ich habe meine eigenen Götter und die heißen: Rosmerta, Ancamna, Intarabus, Inciona, Veraudunus, Ritona, Xulsigiae, handelte also wie die Geschichte beschreibt. Als Zeus alias Jupiter das mitbekam, wurde er wütend. Man muss wissen, dass er bereits nervös war, weil eine Prophezeiung Heras, die ihn abgrundtief hasste, sagte, dass er schon bald durch einen einzig wahren christlichen Gott für alle Zeit entmachtet werde. Er kramte also in seinem Lager alter Steinkeile aus vorolympischer Zeit, griff nach dem gröbsten, den erfand –das war der des Titanen Cronos, des Kinderfressers- und schleuderte ihn nach Hermes, der immer noch bei den Treverern weilte um deren Gehorsam zu überwachen. Er, mit göttlichen Gaben ausgestattet, sah das ungeheure Trumm kommen und wich aus, dass es zwischen Otzenhausen und Hermeskeil niederging.                                                                                                                                                                                                                              Die Mythe berichtet, dass es mit einem nie gesehenen, gewaltigen Blitz in die Erde einschlug und das gesamte Gebiet der Treverer tagelang in eine dichte Staubwolke hüllte, bis ein eisiger Ostwind von Russland her die Wolke über Gallien Richtung Atlantik trieb. Asterix, der den wahnsinnigen Blitz bemerkt hatte, stand noch lange da und schnupperte in die vorüberziehende Wolke, die metallisch roch. Hermes schaltete sich wieder und wieder in die Geschicke der Treverer und angrenzenden Germanen ein, bis sein Chef sich nicht mehr dafür interessierte.                                                                                                    Die Mythe verbreitete sich im Handumdrehen, ausgehend von den Römern  wurde sie weitergegeben an die romfreundlichen Treverer und alle Stämme des treverensischen Gebietes sowie die benachbarten germanischen Horden. Es war in der Zeit als Indutiomarus noch lebte. Er traute den römischen Mythen noch weniger als den eigenen und ließ den Stein von einem Team treverensischer Physiker untersuchen, das er, wie Vertreter anderer WissenschaftsZweige auch, in seiner Burg zu Otzenhausen beherbergte. Seine Physiker stellten fest, dass es sich um die Reste eines größeren Meteoriten handelte, der aus Silikatmaterialien und EisenNickel Legierungen bestand. Damit war für ihn der mythische Ursprung widerlegt und der Aufschlag bedurfte keiner Deutung als Ohmen für den bevorstehenden Krieg. Die Mythe um den Stein hielt sich trotzdem bis heute. Irgendwie hat sie den Namen Hermeskeil zustande gebracht.


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